Bea Rosen: Die lachende M.Uschi

Leichtfüssig-lakonische Beobachtung der Liebe – und ihre Begleiterscheinungen

Bea Rosen: Die lachende M.Uschi

Februar 2012

Cover wie auch Titel sind ein sinnlich-provokanter Blickfang, der allenfalls leichten Kitsch-Verdacht aufkommen lässt. Wer sich dahinter schlüpfrige Geschichten erwartet, wir enttäuscht. Wohl sehen wir uns im Reich der Erotik (fast) alle als Experten, aber erwarten uns von Erotikliteratur ‚ was eigentlich? Anregung? Phantasien? Grenzüberschreitungen?

Gute Erotikliteratur ist selten. Und das vorliegende Buch ist eines der raren gelungenen Beispiele, das sich weit über kitschiger Poesie und vulgäre Prosa hält. Es ist als reichhaltiges Menü gestaltet, mit gut 50 Gerichten von ‚Amuse geule‘ bis zu einem Dessert Namens ‚Schokoladehasen‘. Kaum je geht es dabei um Stöhnen oder anatomische Stellungen, bei weitem nicht immer um das Eine. Selten hat jemand das sinnliche Potential aller erdenklichen Alltagsthemen so spielerisch wie gekonnt erspürt ‚ und sprachlich umgesetzt. Bereits die Namen der Gerichte sind vielversprechend, von Curryhuhn bis Gratwanderung, von Handarbeit bis Halbe Halbe, von Doppelleben bis Telefonsex. Und doch bringen die meist kurzen Geschichten durchwegs überraschende Wendungen ohne billige Pointen.
Die Begebenheiten sind größtenteils, aber nicht ausschließlich aus weiblicher Perspektive: einmal der eines jungen Mädchens, dann jener einer experimentierfreudigen Freundin, einer alterslosen Geliebten, einer verführten Ehefrau, einer intelligenten Kurtisane – oder eines gescheiterten Priesters. Die – wohl weibliche, wie zu vermuten ist – Autorin spielt mit Erfahrungen und Phantasien von Frauen wie auch von Männern. Sie schreibt humorvoll, oft treffend und ohne Klischees, nicht „durch die Blume“, aber auch nie plump oder vulgär ‚ und bietet gerade so dem Leser / der Leserin eine Menge an (Selbst)Erkenntnis.

Wiewohl B. Rosen – der Name ist offenbar ein Pseudonym – im Vorwort andeutet, dass ein Krimiautor nicht jeden Mord selbst begangen haben muss, glaubt man ihr die Affären, als ob sie alle selbst erlebt hätte; auch die schiefgegangenen. Keine der Geschichten verläuft nach Schema „F“. Keine wirkt konstruiert, alle sind wie aus dem Leben gegriffen, einfühlsam, aber ohne unnötig viel Psychologie. B. Rosen fesselt Leserin wie Leser gleichermaßen – gelegentlich im wahrsten Sinn des Wortes. Dabei kommt das Lachen nicht zu kurz, ohne je jemanden bloßzustellen. Selten ist erotische Literatur von Begierde ohne Scheu über peinliche Mißgeschicke bis unbeschwerter Liebeskunst so leichtfüßig dahergekommen: heiter, lebensklug, voll Sprachwitz und -melodie; sinnlich sowieso. Dafür ist wohl einiges an Phantasie nötig, Klugheit, Mut zur Umsetzung (‚was sollen mein Mann, meine Mutter, meine Freunde, meine Kinder denken‘), nicht selten Lakonie. Wer hat nicht gesagt: „wenn du es nicht lakonisch sagen kannst, dann sag es gar nicht?“ Doch gerade bei Liebe und Sex? B. Rosen zeigt sich manchmal als lakonische Wortkünstlerin. Gerade bei Erotikliteratur gilt wohl der paradoxe Spruch: Schreiben sei nicht schwer – einfach die falschen Worte weglassen.

Fazit: ‚Die lachende M. Uschi ist so verführerische wie kluge Lektüre, verpackt in kleine Häppchen für unterwegs oder opulente Menüs für zu Hause – allein, zu zweit, oder…

 

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Bea Rosen,
Die lachende M.Uschi
Geschichten von der Liebe und ihre Begleiterscheinungen
Authal Verlag 2011, ISBN: 9783950313314
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