{"id":1135,"date":"2005-02-23T10:32:38","date_gmt":"2005-02-23T10:32:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=1135"},"modified":"2015-06-23T15:28:12","modified_gmt":"2015-06-23T15:28:12","slug":"die-wiederkehr-der-soeldner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=1135","title":{"rendered":"Die Wiederkehr der S\u00f6ldner"},"content":{"rendered":"<p>Die neuen Hunde des Krieges<\/p>\n<h3 class=\"em_cnt_artikelansicht_hz\">Die Wiederkehr der S\u00f6ldner<\/h3>\n<p>Milit\u00e4risches Outsourcing: Privatisieren postmoderne Demokratien die Gewalt?<\/p>\n<p>Wiener Zeitung, Januar 2015<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>125.000 Deutsche und \u00d6sterreicher k\u00e4mpften einst im Sold der franz\u00f6sischen Fremdenlegion. Heute dominieren private Milit\u00e4rfirmen das globale Berufsfeld k\u00e4uflicher Gewalt. Rechtsstaaten und V\u00f6lkerrecht sind gefordert.<\/strong><\/p>\n<p class=\"em_text\">Regelm\u00e4\u00dfige Bezahlung oder die Aussicht auf Beute: Seit der Antike bestimmten S\u00f6ldner das Kriegshandwerk. Ab der Franz\u00f6sischen Revolution und der lev\u00e9e en masse wurden die vaterlandslosen S\u00f6ldner in Europa durch rekrutierte Patrioten ersetzt. Mit der allgemeinen Wehrpflicht mussten die Soldaten in den Millionenheeren nicht mehr bezahlt werden, und S\u00f6ldner wurden zur Randerscheinung in fernen Kolonialkriegen. &#8222;Eine Flasche Schnaps und eine Frau f\u00fcr ein paar M\u00fcnzen&#8220; regte nur mehr die Phantasie von verkrachten Existenzen an.<\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong><span class=\"zt\">Armee der Namenlosen<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"em_text\">Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten nochmals viele raus aus dem kaputten Kontinent. Entwurzelte und Menschen mit dubioser Vergangenheit ergriffen die Chance, in die Anonymit\u00e4t der &#8222;Armee der Namenlosen&#8220; abzutauchen. Die glorreichen Mythen der franz\u00f6sischen Fremdenlegion wurden 1954 im vietnamesischen Dien Bien Phu zur Geschichte einer Niederlage. Gesch\u00e4tzte 8000 der rund 35.000 deutschsprachigen Legion\u00e4re in Indochina \u00fcberlebten nicht.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Manche blieben dereinst S\u00f6ldner und zogen zum n\u00e4chsten Schlachtplatz in Algerien. Einer der Deutschen, der hier im Sold der Franzosen arbeitete und dann zum Welt-Krieger in dubioser eigener Sache wurde, war der ber\u00fcchtigte Rolf Steiner. Von Alge-rien zog er als Freelancer \u00fcber Biafra weiter in den S\u00fcdsudan, wo er gefangen genommen wurde und gehenkt werden sollte. &#8222;Wei\u00dfer Riese wartet auf den schwarzen Tod&#8220;, titelte ein Boulevardblatt. Siegfried M\u00fcller war ein anderer ber\u00fcchtigter Haudegen. Der Spitzname &#8222;Kongo-M\u00fcller&#8220; deutet auf das Bet\u00e4tigungsfeld des ehemaligen Wehrmachtssoldaten. &#8222;Wir haben f\u00fcr Europa gek\u00e4mpft im Kongo, f\u00fcr Libert\u00e9, Fraternit\u00e9 und so weiter&#8220;, meinte er in einem Interview. Als Pensionist gr\u00fcndete er in S\u00fcdafrika eine Firma f\u00fcr paramilit\u00e4rische Eins\u00e4tze. In seinem verfilmten Thriller &#8222;Die Hunde des Krieges&#8220; hat Frederick Forsyth jene Art von Afrika-S\u00f6ldnern literarisch verewigt.<\/p>\n<p class=\"em_text\">&#8222;Sie wollen Ihre Vergangenheit hinter sich lassen, ein neues Leben beginnen?&#8220; Noch immer gibt es die Website der Franz\u00f6sischen Fremdenlegion auch auf Deutsch. 125.000 Deutschsprachige dienten in der Legion. In den 90er Jahren kamen kriegserfahrene Kampfh\u00e4hne aus der zerfallenen Sowjetunion und Jugoslawien. Heute stammt das Gros der Legion\u00e4re kaum mehr aus den Wohlstandszonen Europas und k\u00e4mpft &#8211; nach der Ausbildung im Dschungel Franz\u00f6sisch-Guayanas oder der W\u00fcste von Dschibuti &#8211; in Krisengebieten des globalen S\u00fcdens. Kritiker sehen sie als Handlanger afrikanischer Despoten und dubioser Wirtschaftsinteressen in Biotopen, wo nicht Demokratie und gesamtstaatliche Strukturen gef\u00f6rdert werden, sondern Partikularinteressen.<\/p>\n<p class=\"em_text\">In der europ\u00e4ischen \u00d6ffentlichkeit werden S\u00f6ldner ge\u00e4chtet. Doch mit der Abschaffung der Wehrpflicht und der Einf\u00fchrung von Freiwilligen-Berufsarmeen im Auslandseinsatz verschwimmen die Grenzen. Spielt hier Idealismus &#8211; &#8222;die Verteidigung Europas am Hindukusch&#8220; &#8211; oder Abenteuerlust und Selbsterfahrung die gr\u00f6\u00dfere Rolle? Oder doch der beachtliche Sold? Sind die Auslagerung der Verteidigung und Heere aus bezahlten K\u00e4mpfern eine postmoderne Errungenschaft &#8211; oder Zeichen moralischen Verfalls?<\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong><span class=\"zt\">Hunde des Krieges<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"em_text\">F\u00fcr ihren Bedarf im Irak- und Afghanistan-Krieg \u00fcbernahmen die USA zun\u00e4chst das Legion\u00e4rsmodell und rekrutierten mittels Green-Card-Angeboten arme Lateinamerikaner. L\u00e4ngst aber machen moderne Sicherheitsfirmen aus S\u00fcdafrika, den USA, Gro\u00dfbritannien oder Israel den einstigen &#8222;Hunden des Krieges&#8220; im Berufsfeld k\u00e4uflicher Gewalt Konkurrenz. Sicherheitsdienstleister nennen sie sich so bescheiden wie euphemistisch. Gegen gutes oder schmutziges Geld offerieren sie staatlichen und privaten Auftraggebern Personen- und Objektschutz, Ausbilder f\u00fcr komplexe Waffensysteme, Berater auf \u00d6lplattformen oder Spezialisten gegen Piraten vor den K\u00fcsten Afrikas.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Technologisch aufger\u00fcstet, bieten sie noch mehr. Manchmal soll &#8211; Beispiel Irak &#8211; ein funktionierendes Staatswesen aufgebaut werden. In sogenannten gescheiterten Staaten werden wiederum nicht nur Botschaften, sondern auch Investitionen wie Bergbaukonzessionen, Firmengel\u00e4nde, Konvois und Infrastruktur gesch\u00fctzt. Transnationale Unternehmen stehen im Generalverdacht, mit Warlords zu paktieren. Der manchmal als &#8222;Afrikanischer Weltkrieg&#8220; bezeichnete zweite Kongo-Krieg hatte mit den Interventionstruppen aus neun Nachbarl\u00e4ndern Merkmale eines Konzern-Stellvertreterkrieges.<\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong><span class=\"zt\">&#8222;Drecksarbeit&#8220;<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"em_text\">Neu ist das alles nicht. Schon in der Fr\u00fchphase europ\u00e4ischer Expansion waren wirtschaftliche und milit\u00e4rische Unternehmungen verschmolzen. Handelskompanien f\u00fcllten ihre Privatarmeen mit europ\u00e4ischen Landsknechten. Sie waren die Speerspitze bei der Kolonisierung. Auch milit\u00e4rische Vertragsfirmen heute handeln im mutma\u00dflichen Interesse der sicheren Zonen unserer Welt. Dar\u00fcber hinaus offerieren sie technische, logistische und operative Unterst\u00fctzung im (Anti-)Terrorkrieg. Oft bleiben die H\u00e4nde der Ausbilder sauber. Mancherorts sind die energischen Spezialeinheiten dennoch Firmen f\u00fcr die Drecksarbeit.<\/p>\n<p class=\"em_text\">In Afghanistan waren mehr Mitarbeiter von milit\u00e4rischen Dienstleistern t\u00e4tig als US-Soldaten. Erstere bleiben nach dem US-R\u00fcckzug und kehren &#8211; Stichwort ISIS-Abwehr &#8211; auch in den Irak zur\u00fcck. Auch auf der Gegenseite im vermeintlichen Kampf der Kulturen ziehen Religionskrieger von einem Kriegsschauplatz zum n\u00e4chsten Konflikt, vom Hindukusch \u00fcber den Irak und Syrien, Libyen bis Subsahara-Afrika. Die Erfolge der Gewaltstrategien steigern die Anziehungskraft auf junge Freiwillige diverser Provenienz. Die Mudschaheddin-Geister, die der Westen einst rief, sind heute ein Fluch, unter zunehmend beunruhigender Beteiligung von Dschihadisten aus Europa. Eine klare Trennung zwischen Freiwilligen und S\u00f6ldnern ist kaum m\u00f6glich. Asymmetrische Kriege nehmen zu, werden teilprivatisiert und entgleiten &#8211; wie etwa Syrien &#8211; jeder Kontrolle.<br \/>\nKleinkriege in schwachen oder gescheiterten Staaten, wo Kindersoldaten-Milizen einzelnen Warlords dienen, sind noch keine globale Bedrohung, solange das Elend nicht Migrationsstr\u00f6me ausl\u00f6st. F\u00fcr Investitionen sind solche Konflikte eher kontraproduktiv. Wo ein internationaler Wille zur L\u00f6sung ist, da ist auch ein Weg, hat sich etwa beim Handel mit Blutdiamanten gezeigt.<br \/>\nTrotz einiger Schw\u00e4chen hat das Kimberley-Abkommen den Diamantenschmuggel, mit dessen Erl\u00f6s Konflikte finanziert wurden, betr\u00e4chtlich erschwert. Bei anderen Bodensch\u00e4tzen &#8211; beispielsweise Kongo-Coltan f\u00fcr Mobiltelefone &#8211; ist der Ressourcenfluch, die Verstrickung von Armut, Wirtschaftsinteressen und Krieg aber weiterhin Thema. Heute bezahlen wir Europ\u00e4er die Afrikanische Union daf\u00fcr, dass sie mit Truppen in manchen Unruhel\u00e4ndern f\u00fcr Ordnung sorgt.<br \/>\nAuch in Lateinamerika, wie etwa in Kolumbien oder Mexiko, sind die Grenzen zwischen Drogenkartellen, Guerilla, korrupter Polizei, B\u00fcrgerwehren und einem gegen\u00fcber der ausufernden Gewalt hilflosen Staat flie\u00dfend. Guatemala, in puncto Gr\u00f6\u00dfe mit \u00d6sterreich vergleichbar, hat 25.000 nicht immer vertrauensw\u00fcrdige Polizisten &#8211; und 130.000 bewaffnete private Sicherheitsleute. Wer das n\u00f6tige Geld hat, glaubt, sich und seine Kinder sch\u00fctzen zu m\u00fcssen, von der Arztfamilie bis zum kleinen Ladenbesitzer.<\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong><em>Outsourcing: Privatisieren postmoderne Demokratien die Gewalt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p class=\"em_text\">Eine sch\u00f6ne Hoffnung gehe davon aus, schreibt der kolumbianische Autor H\u00e9ctor Abad, &#8222;dass sich der Staat nur zur\u00fcckziehen braucht, und schon regelt die Zivilgesellschaft die Dinge selbst und errichtet eine Ordnung der Vernunft. Doch wir haben die Erfahrung machen m\u00fcssen, dass die starken M\u00e4nner vor Ort die Macht ergreifen und mit aller Brutalit\u00e4t ihre Regeln durchsetzen.&#8220;<br \/>\nPrivatfirmen operieren oft wirtschaftlicher als der Staat, doch erspart das nicht das Nachdenken \u00fcber die Grenzen des Outsourcing. Im Gesch\u00e4ft mit der Sicherheit in \u00d6sterreich haben 400 Unternehmen eine Gewerbeberechtigung als Bewachungsunternehmen. Die Beaufsichtigung von Schubh\u00e4ftlingen etwa kann als harmlose Dienstleistung im F\u00fcrsorgebusiness angesehen werden, oder als Symptom der Privatisierung staatlicher Gewalt.<br \/>\n&#8222;Das US-Milit\u00e4r war noch am angenehmsten bei den Verh\u00f6ren, die CIA war brutaler. Am F\u00fcrchterlichsten waren die privaten Sicherheitsfirmen&#8220;, sagten irakische Gefangene zu Manfred Nowak, dem UNO-Sonderberichterstatter f\u00fcr Folter. Im Irakkrieg war das US-Unternehmen &#8222;Blackwater&#8220; zur m\u00e4chtigsten Privatarmee weltweit aufgestiegen und entwickelte sich zum global agierenden S\u00f6ldnerkonzern. Nachdem Blackwater ob der angewendeten, zeitweise fragw\u00fcrdigen Methoden in Verruf geraten war, wurde es 2009 neutraler in &#8222;Xe Services&#8220; umbenannt, 2011 verkauft und hie\u00df fortan kultiviert &#8222;Academi&#8220;.<br \/>\nAuf ihrer Website pr\u00e4sentiert sich die Firma als &#8222;Sicherheitsdienstleister, mit in den herausforderndsten Gegenden der Welt erworbener Expertise. Das Weltklasse-Netzwerk der Company konzipiert ma\u00dfgeschneiderte L\u00f6sungen f\u00fcr ihre Klienten in sensiblen und komplexen Milieus&#8220;.<br \/>\nSicherheit als kundenspezifischer Markenartikel &#8211; was will der Auftraggeber mehr? Blackwater-Gr\u00fcnder Erik Prince preist in seiner 2013 erschienenen Inside-Story &#8222;Civilian Warriors&#8220; seine S\u00f6ldner als &#8222;unbesungene Helden des Anti-Terrorkrieges&#8220; &#8211; eine Art Tempelritter des Guten, die, so meinte Prince k\u00fcrzlich, auch Ebola bek\u00e4mpfen k\u00f6nnten.<br \/>\nWeitere gro\u00dfe Namen der Branche wie &#8222;DynCorp&#8220; oder &#8222;MPRI\/Engility&#8220; sind nur mehr Insidern bekannt. Manche wie &#8222;Halliburton&#8220; (heute: &#8222;KBR&#8220;) oder &#8222;Executive Outcomes&#8220; &#8211; unter diesem klingenden Namen in Angola oder Sierra Leone ber\u00fcchtigt geworden und in 30 L\u00e4ndern aktiv &#8211; l\u00f6sen sich auf, um unter anderem Namen wieder aufzutauchen. Rohstoff-Multis wie Rio Tinto, De Beers, Chevron oder Texaco geh\u00f6ren zu den Gro\u00dfkunden.<br \/>\nDie F\u00fchrungskader der Schattenkr\u00e4fte haben beste Kontakte zur R\u00fcstungsindustrie. Der Rest des Personals sind nicht unbedingt t\u00e4towierte Desperados f\u00fcrs Grobe &#8211; das Fu\u00dfvolk wird oft billiger lokal rekrutiert. Die Profitruppen abseits von alten Legenden und Klischees sind Piloten, Veteranen von Eliteeinheiten zur Geiselbefreiung, Satellitenbild-Analysten oder Abh\u00f6r-Techniker. Privatfirmen bieten ein Totalservice von Risikoanalyse, \u00dcberwachungssoftware, Radaraufkl\u00e4rung bis zu kompletter Kriegslogistik. Nicht nur der Anti-Drogenkrieg in S\u00fcdamerika wurde so privatisiert.<\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong>Bildschirm-Planspiele<\/strong><\/p>\n<p class=\"em_text\">Unterschiedlichste kommerzielle Sicherheits- und Milit\u00e4runternehmen haben heute 1,4 Millionen Mitarbeiter weltweit. Gesch\u00e4tzte 200 Milliarden US-Dollar werden in der nichtstaatlichen Sicherheitsbranche umgesetzt. Neben den traditionellen Milit\u00e4rakademien gibt es l\u00e4ngst Privathochschulen f\u00fcr Risikomanager.<br \/>\nAuch Russland setzt angebliche Freiwillige in verdeckten Konflikten ein, um nicht ganz offiziell involviert zu werden, j\u00fcngstes Beispiel ist die Ukraine. Formelle Interventionen wie im Irak oder in Afghanistan nehmen in der neuen Geopolitik mit ihren teils seltsamen Allianzen &#8211; etwa Iran-USA &#8211; eher ab. Nicht nur Terror-Bedrohungen provozieren geheime Kommandoaktionen. Krieg wird zum Bildschirm-Planspiel, oder unter der Zauberformel &#8222;Outsourcing&#8220; zur Dienstleistung ohne allzu gro\u00dfes Risiko. Diplomatische Verwicklungen werden reduziert, eigene Verluste verschleiert oder durch Drohneneins\u00e4tze minimiert. Regierungen brauchen sich weniger mit l\u00e4stigen Medien und der sensiblen \u00f6ffentlichen Meinung herumzuschlagen: Es gibt keine Bodybags mit Rekruten, kaum \u00f6ffentliche Anteilnahme mit Gefallenen.<\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong><span class=\"zt\">Kosten f\u00fcr Milit\u00e4rfirmen<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"em_text\">Das US-Pentagon musste den Kongress nicht informieren, wenn die Kosten pro Vertrag mit einer Milit\u00e4rfirma unter 50 Millionen Dollar liegen. Laut Sch\u00e4tzungen des Stockholmer Forschungsinstituts SIPRI gehen \u00fcber 100 Milliarden Dollar oder ein Drittel des US-Verteidigungsbudgets f\u00fcr Privatunternehmen an milit\u00e4rische Dienstleister. Weitere Auftraggeber sind Geheimdienste mit unklaren Verantwortlichkeiten und einer manchmal lockeren Beaufsichtigungs-Leine. Die H\u00e4lfte des rund 40-Milliarden-Budgets der US-Geheimdienste soll an Firmen gehen. Daf\u00fcr, aber auch f\u00fcr die Bereitstellung von Intelligence und ma\u00dfgeschneidertem Wissen an reine Privatkunden, sind diese mit Informationssystemen der Beh\u00f6rden vernetzt. Sie haben Zugang zu vertraulichen politischen, wirtschaftlichen und milit\u00e4rischen Daten. In der Wachstumsbranche des privaten Kriegsgesch\u00e4fts wird Demokratie ausgehebelt.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Mit der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht wird die Gesellschaft nur vordergr\u00fcndig gewaltfreier. Ein Rechtsstaat hat Interesse am Frieden, ein Milit\u00e4runternehmen an zumindest st\u00e4ndig schwelenden Konflikten. Nicht nur Besatzungsarmeen, auch Private Military Contractors werden gegen\u00fcber der Justiz f\u00fcr immun erkl\u00e4rt. Die Kontrolle \u00fcber diese Aktivit\u00e4ten sei bestenfalls l\u00fcckenhaft, beklagt das Internationale Rote Kreuz. Auf Sicherheitskonferenzen wird \u00fcber globale Herausforderungen gesprochen, doch nicht \u00fcber das Gesch\u00e4ft. Die diskreten Privatfirmen sind aus naheliegenden Gr\u00fcnden wenig auskunftsfreudig. Das Gewaltmonopol der Staaten &#8211; im Westf\u00e4lischen Frieden 1648 etabliert &#8211; ist durch Outsourcing ausgeh\u00f6hlt.<\/p>\n<div id=\"tt-wrappered925e7\">\n<div id=\"tt-muteed925e7\"><\/div>\n<div id=\"tt-containered925e7\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong><span class=\"zt\">Montreux-Dokument<\/span><\/strong><\/span><\/div>\n<\/div>\n<p class=\"em_text\">Etliche Sicherheitsdienstleister arbeiten auch mit UNO-Mandat. Sexueller Missbrauch, Menschenhandel, Korruption: In Bosnien und anderen Krisengebieten war das moralische Verhalten der Beteiligten nicht immer \u00fcber jeden Zweifel erhaben. Bei Verst\u00f6\u00dfen werden Unternehmen und Angestellte kaum zur Verantwortung gezogen. Die internationale Gerichtsbarkeit hinkt hinterher, und das V\u00f6lkerrecht in der neuen Weltordnung hat Nachholbedarf.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Die neutrale Schweiz &#8211; einst selbst S\u00f6ldner-Quelle, deren folkloristischer Rest heute die p\u00e4pstliche Garde ist &#8211; ergriff die Initiative. 2008 gab eine erste Gruppe von 17 L\u00e4ndern &#8211; darunter Deutschland, China, Afghanistan, der Irak, S\u00fcdafrika, die USA und \u00d6sterreich &#8211; in Montreux eine gemeinsame Erkl\u00e4rung zum Umgang mit privaten Milit\u00e4runternehmen ab. Ziel ist auch bei deren Einsatz die Achtung des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts und der Menschenrechte. Drei internationale Organisationen &#8211; EU, OSZE und NATO &#8211; und knapp 50 Staaten haben bis Anfang 2015 ihre Unterst\u00fctzung angek\u00fcndigt, darunter nur vier L\u00e4nder Afrikas. Bisher hat das Montreux-Dokument allerdings nur den Charakter einer Empfehlung.<\/p>\n<p class=\"em_text\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Jeremy Scahill<br \/>\nSchmutzige Kriege. Amerikas geheime Kommandoaktionen<br \/>\nVerlag Antje Kunstmann, M\u00fcnchen 2013<br \/>\n352 Seiten, 19.10 Euro<\/p>\n<p>Erik Prince<br \/>\nCivilian Warriors. The Inside Story of Blackwater and the Unsung Heroes of the War on Terror.<br \/>\nPenguin Group, New York 2013<br \/>\n404 Seiten, 17.95 Euro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neuen Hunde des Krieges Die Wiederkehr der S\u00f6ldner Milit\u00e4risches Outsourcing: Privatisieren postmoderne Demokratien die Gewalt? 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