{"id":122,"date":"2012-11-16T15:09:07","date_gmt":"2012-11-16T15:09:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=122"},"modified":"2014-02-19T16:04:30","modified_gmt":"2014-02-19T16:04:30","slug":"angelika-overath-fliessendes-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=122","title":{"rendered":"Angelika Overath: Flie\u00dfendes Land"},"content":{"rendered":"<p>Schwebende Aufmerksamkeit &#8211; Gegen mediale Bilder sehen lernen<\/p>\n<h3>Angelika Overath: Flie\u00dfendes Land<\/h3>\n<p>Glanz&amp;Elend, November 2012<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr ihre literarischen Reportagen wurde sie\u00a0mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet. Im Roman \u00bbNahe Tage\u00ab ist sie in die eigene Vergangenheit hinabgestiegen, durch \u00bbFlughafenfische\u00ab hat sie eine magische Fiktion geschaffen. \u00bbAlle Farben des Schnees\u00ab war\u00a0ein poetisches Journal durch die vier Jahreszeiten ihrer neuen, fremdsprachigen Heimat, wohin sie 2008 mit Mann und j\u00fcngstem Kind gezogen ist.<\/p>\n<p>\u00bbFlie\u00dfendes Land\u00ab ist das j\u00fcngste Buch des\u00a0sprachlichen Vielfachtalentes Angelika Overath. Es sind durchwegs kleine Texte, Portraits, sensible Reportagen und poetologischen Essays. Sie reichen zur\u00fcck in ihre Kindheit, in ein Deutschland der sechziger Jahren, bereisen prek\u00e4re Landstriche der Jugend in den Siebzigern. Viele der Geschichten handeln vom Aufbruch, von Ank\u00fcnften, einem Neubeginn, aber vor allem vom unterwegs sein.<\/p>\n<p>Die Titel-gebende Geschichte \u00bbFlie\u00dfendes Land\u00ab bringt uns in einer Winterreise an einen immer wieder \u00fcberfluteten, verschobenen Landstrich an der Nordsee. Das mag auch f\u00fcr das sprichw\u00f6rtlich weite Land der Seele, der Sprache, manchmal des Schweigens stehen. Die Autorin taucht in der Vergangenheit, beobachtet fein und vermag Empfindungen ohne Pathos oder narzisstische Nabelschau zu vermitteln. Es sind unpr\u00e4tenti\u00f6se wie eigenwillige Beschreibungen, die sofort an einen fremden Ort versetzen, oder zur\u00fcck in unsere eigene Kindheit, die Jugend, mit all den dazugeh\u00f6rigen Gef\u00fchlen und Ger\u00fcchen. Overath ruft Bilder der Aufmerksamkeit wach, bewahrt Stimmungen, ohne sie zu fixieren. Die Sprache flie\u00dft, so wie unser Bewusstsein, doch die Beobachtungen der literarischen Journalistin sind genau, selbst dann, wenn sie nur Konturen skizziert und Leerstellen l\u00e4sst, wo Worte nicht hinreichen.<\/p>\n<p>Manchmal verschr\u00e4nkt sie Autobiographisches mit literarischer Fiktion, schafft flie\u00dfende \u00dcberleitungen von einem Genre zum anderen, wandert vom Au\u00dfen zum Innen, vom\u00a0 Alltag zum Ausnahmezustand, rutscht vom Gl\u00fcck zur Angst ab und gleitet wieder zur\u00fcck. Overath macht neugierig auf Weltgegenden und\u00a0 Gegenwelten. Sie f\u00fchrt uns von der Lesecouch geradewegs an einen postsowjetischen Un-Ort, dann in die pazifische Inselwelt, in ein Museum, ins Kloster, in ein Altershospiz.<\/p>\n<p>Die Texte sind zu unterschiedlichen Zeiten entstanden, und einige sind bereits in Medien wie der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung erschienen. Dennoch ergeben sie in der Zusammenstellung ein Ganzes. Die Sammlung ist \u00e4hnlich einer Symphonie in S\u00e4tze getaktet, mit symbolischen Zyklus-\u00dcberschriften wie \u00bbFegefeuer\u00ab (Kindheit und Jugend), \u00bbFluten\u00ab, \u00bbHandwerk\u00ab (\u00fcber das Schreiben) oder \u00bbCoda\u00ab (der ausklingende Teil der Komposition, der noch einmal das ganze Werk zusammenfassende Charakterz\u00fcge tr\u00e4gt). Durchgehende Musikalit\u00e4t der Sprache kennzeichnet alle Texte Overaths.<\/p>\n<p>Oft geht es beim Schreiben um Lust, sicher auch um Broterwerb, und manchmal ist es Therapie: Die Autorin gibt pers\u00f6nliche Einblicke in die Schreibarbeit, sch\u00e4rft dabei auch unsere eigene Aufmerksamkeit und vermittelt so eine ganz wesentliche F\u00e4higkeit, die uns allen ob der Omnipr\u00e4senz von Fernsehen und Internet verloren zu gehen droht: Gegen medial vermittelte Bilder &#8211; wieder &#8211; sehen lernen. Angelika Overath ist eine Meisterin der literarischen Reportage. Bei aller Unterschiedlichkeit der literarischen Topoi schafft sie einen eigenen, unverwechselbaren Stil und musikalisch-spielerisch den flie\u00dfenden \u00dcbergang von der Reportage zur Literatur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwebende Aufmerksamkeit &#8211; Gegen mediale Bilder sehen lernen Angelika Overath: Flie\u00dfendes Land Glanz&amp;Elend, November 2012<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=122"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":788,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/122\/revisions\/788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}