{"id":1687,"date":"2016-01-10T22:13:04","date_gmt":"2016-01-10T22:13:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=1687"},"modified":"2016-02-10T22:26:17","modified_gmt":"2016-02-10T22:26:17","slug":"erhellende-fluchtgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=1687","title":{"rendered":"Erhellende Fluchtgeschichte"},"content":{"rendered":"<p class=\"em_cnt_artikelansicht_hz\">Ulrike Schmitzers Roman\u00a0 &#8222;Die gestohlene Erinnerung&#8220;<\/p>\n<h3 class=\"em_cnt_artikelansicht_hz\">Erhellende Fluchtgeschichte<\/h3>\n<p>Wiener Zeitung, J\u00e4nner 2016<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p id=\"absatz1\" class=\"em_text\"><strong>Deutschen Fluchtgeschichten<\/strong> haftete oft ein Nazi-Ruch an, ein Braunschleier lag \u00fcber der Aussiedler-Herkunft. Der Essayist Karl-Markus Gau\u00df hatte l\u00e4ngst sensibel \u00fcber Minderheiten S\u00fcdosteuropas geschrieben, bevor er in die verlorene Heimat seiner Eltern reiste: &#8222;Eine r\u00e4tselhafte Scheu hielt mich davon ab, der ich doch von der Geschichte dieser Region als Kind erz\u00e4hlt bekommen und die Namen der D\u00f6rfer und kleinen St\u00e4dte, Kikinda und Palanka, Kubin und Filipowa wie in einem Zauberspruch hersagen konnte.&#8220;<\/p>\n<p class=\"em_text\">Auch Ulrike Schmitzer, wie Gau\u00df Salzburgerin aus einer Familie von Donauschwaben, mied die Fl\u00fcchtlingsherkunft der Familie. Vielmehr besch\u00e4ftigte sie &#8211; bzw. ihre Ich-Erz\u00e4hlerin &#8211; sich mit Gewalt in Guatemala, mit Unrecht in Uganda: &#8222;Ich meinte, etwas v\u00f6llig anderes zu tun, und kreiste doch immer nur um ein Thema.&#8220; Erst als Mitt-Drei\u00dfigerin macht sie sich in die Gegend ihrer Vorfahren auf, gemeinsam mit ihrer Mutter, die als Kind vertrieben worden war.<\/p>\n<p class=\"em_text\">\u00a0Die sommerliche Fahrt voll absurder Situationen f\u00fchrt beide nach Nordserbien &#8211; und in die Vergangenheit. Mutter und Tochter begeben sich auf Spurensuche zwischen Distelfeldern, Friedh\u00f6fen und umbenannten Ortschaften, ausgestattet mit Omas Erinnerungen auf Tonbandkassetten im Auto, als Orientierung durch Raum und Zeit.<\/p>\n<div class=\"em_cnt_center\">\n<div class=\"em_cnt_middle\">\n<div id=\"em_cnt_artikel\" class=\"em_cnt_artikelansicht ui-tabs-panel ui-widget-content ui-corner-bottom\">\n<div id=\"em_artikelansicht_artikel\">\n<p class=\"em_text\">&#8222;Ist es wichtig, einen Ort zu haben, an dem man seine Wurzeln findet?&#8220;, fragt sich die Protagonistin. &#8222;Die gestohlene Erinnerung&#8220; ist ein sprachliches Puzzle von Perspektiven dreier Frauengenerationen. Wie oft ein Nachhall, ist auch die Erz\u00e4hlweise gebrochen, und gerade deshalb stringent. Im Mittelteil wird der Roman etwas wissenschaftlich-dokumentarisch, mit Zitaten und Fu\u00dfnoten.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Die Schilderungen, oft nur die Andeutung von Gr\u00e4uel und Massenexekutionen, sind dagegen stimmig-lakonisch, und der geraffte Bericht der Oma von ihrer Deportation in die Ukraine 1944 ist packend. Viele von uns haben es verabs\u00e4umt, die Gro\u00dfeltern zu befragen, wenn diese nicht von selbst erz\u00e4hlten. Als Kind leben wir im Heute, f\u00fcr ein Morgen. Die R\u00fcckschau, die Fragen kommen erst sp\u00e4ter. Oft zu sp\u00e4t. Gerade heute w\u00e4re so manche Fluchtgeschichte aus der eigenen Familie hilfreich. Schmitzers Erinnerungsreise ist nicht nur f\u00fcr die Ich-Erz\u00e4hlerin so ber\u00fchrend wie erhellend.<\/p>\n<p class=\"em_text\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"em_article_image\" title=\"\" src=\"http:\/\/www.wienerzeitung.at\/_em_daten\/_cache\/image\/1xS2TRCfeMscDUejP4i7n1SwT-t2r9AsWvEMCRxv6fx753A9IiBbo755HgGoSfksV0a9CUWIl5UTjDTA2ImwYthKwXLHg87C5PgEQEwJyUqf0EZHTM5LOq0g\/160106-1705-948-0900-12941-schmitzer-die-gestohlene-erinnerung.jpg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"194\" \/><\/p>\n<p class=\"em_text\">Ulrike Schmitzer,<br \/>\n&#8222;Die gestohlene Erinnerung&#8220;<br \/>\nRoman, 192 Seiten, \u20ac 19,95<br \/>\nEdition Atelier, Wien 2015<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ulrike Schmitzers Roman\u00a0 &#8222;Die gestohlene Erinnerung&#8220; Erhellende Fluchtgeschichte Wiener Zeitung, J\u00e4nner 2016<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1687"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1687"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1687\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1694,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1687\/revisions\/1694"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1687"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1687"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1687"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}