{"id":1717,"date":"2016-04-09T14:36:25","date_gmt":"2016-04-09T14:36:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=1717"},"modified":"2016-04-10T14:49:47","modified_gmt":"2016-04-10T14:49:47","slug":"eugen-ruges-annaeherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=1717","title":{"rendered":"Eugen Ruges Ann\u00e4herung"},"content":{"rendered":"<p id=\"absatz1\" class=\"em_text\">Eugen Ruges \u201cAnn\u00e4herung\u201d<\/p>\n<h3 class=\"em_text\"><strong>Temporeiches Potpourri<\/strong><\/h3>\n<p class=\"em_text\">Klagen \u00fcber den Verlust von Vielfalt<\/p>\n<p class=\"em_text\">Wiener Zeitung, M\u00e4rz 2016<!--more--><\/p>\n<p>Eine Portion Vorschuss-Vertrauen bekommt ein preisgekr\u00f6nter Literat schon mit, wenn ihm der Leser auf Reisen um die halbe Welt folgt. Umso mehr, wenn der Autor bescheiden bekennt: \u201eIch bin alles andere als ein notorischer Weltenbummler.\u201c 2011 wurde Eugen Ruge f\u00fcr \u201cIn Zeiten des abnehmenden Lichts\u201c \u00fcber den Schwund sozialistischer Utopien mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. \u201eAnn\u00e4herungen\u201c zeichnet nun zwei Recherchereisen f\u00fcr jenen 500 000 mal verkauften DDR-Generationenroman nach, auf den Spuren der Familie bis nach Mexiko und Russland, Ruges Geburtsland, sowie Lesereisen nach dem literarischen Durchbruch.<\/p>\n<p>Der kurze Buchtitel ist so anspruchsvoll wie mehrdeutig: die Ann\u00e4herung an Orte, gleichzeitig eine Ann\u00e4herung der St\u00e4dte aneinander im Zuge der Globalisierung, die der Reisende anprangert: \u201eChina ist Amerika!\u201c In Paris, wo \u201eich au\u00dferhalb des Rings noch nie etwas gesehen habe, das eingeladen h\u00e4tte, aus dem Taxi zu steigen\u201c, sinniert er ob der Hotel- und Wohnungspreise: \u201eWirklich ekelhaft, dieser Druck, den der Schei\u00df-Kapitalismus aus\u00fcbt\u201c.<\/p>\n<p>Der Protagonist seines zweiten Romans \u201eCabo de Gata\u201c (2013) definierte sich noch \u00fcber Langsamkeit, \u00fcber das Verweilen. Doch Lesetouren als Stargast erlauben nur \u201eeine beschleunigte, oberfl\u00e4chliche Art des Reisens\u201c. Die fl\u00fcchtigen Wahrnehmungen und Gedankenschnappsch\u00fcsse ergeben ein heterogenes Potpourri.<\/p>\n<p><strong>Beobachtungen, Erinnerungen, Entt\u00e4uschungen<\/strong><\/p>\n<p>In pointierter Sprache teilt Ruge Beobachtungen, Erinnerungen, Entt\u00e4uschungen. Gelegentlich kommt sein Kulturpessimismus schnoddrig, wie etwa in Griechenland: \u201eThessaloniki. Stadtf\u00fchrung. Ein Mann mittleren Alters, der sich als Professor f\u00fcr irgendetwas vorstellt.\u201c Von Spanien bis China verdammt Ruge in unheiligem Zorn die \u201eFolgen des Freihandelskapitalismus, eine Nivellierung allerorten\u201c, um dann &#8211; in Mexiko &#8211; das lokale Essen zu beklagen, \u201eeine braune, schokoladehaltige Pampe\u201c.<\/p>\n<p>Kaum angekr\u00e4nkelt von politischer Korrektheit, schimmert der selbstironische Humor von \u201eCabo de Gata\u201c nur vereinzelt durch: \u201eSeit morgens um f\u00fcnf furzten Busse.\u201c Der Autor f\u00e4hrt an \u201eVorst\u00e4dten wie Ameisenh\u00fcgel\u201c vorbei, und leidet: \u201eschwer ertr\u00e4glich ist das Bed\u00fcrfnis offenbar aller s\u00fcdlicher V\u00f6lker, immerzu L\u00e4rm um sich zu haben\u201c. Und er stellt sich dazwischen doch eine letztlich unbeantwortete Frage: \u201eWozu reise ich?\u201c<br \/>\nGegen Ende, im New Yorker Central Park, zeigen Ruges lakonische Nominals\u00e4tze und Stimmungsbilder wieder, welche poetische Kraft \u2013 auch &#8211; im Autor steckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"em_text\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p class=\"em_text\">Eugen Ruge<\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong>Ann\u00e4herung<\/strong><br \/>\nNotizen aus 14 L\u00e4ndern.<\/p>\n<p class=\"em_text\">Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2015, 192 Seiten, 20,60 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eugen Ruges \u201cAnn\u00e4herung\u201d Temporeiches Potpourri Klagen \u00fcber den Verlust von Vielfalt Wiener Zeitung, M\u00e4rz 2016<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1717"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1717"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1717\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1725,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1717\/revisions\/1725"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1717"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1717"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1717"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}