{"id":174,"date":"2025-08-08T11:18:00","date_gmt":"2025-08-08T11:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=174"},"modified":"2025-09-17T17:20:20","modified_gmt":"2025-09-17T17:20:20","slug":"nachwort-zu-das-sk-prinzip-wie-man-konflikte-ohne-machtkaempfe-loest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=174","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<h3><\/h3>\n<h3><strong>Demokratie, globale Machtstrukturen und Konfliktl\u00f6sungen<\/strong><\/h3>\n<p>Nachwort zu<\/p>\n<p><strong><i>Das SK-Prinzip:<\/i><em> Wie man Konflikte ohne Machtk\u00e4mpfe l\u00f6st<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ueberreuter Verlag<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><strong>Postmoderne Demokratie, globale Machtstrukturen, zweckdienliche Konfliktl\u00f6sungen<\/strong><\/h3>\n<p><strong>Wer erinnert sich noch<\/strong> an einen Zeitgeist-Historiker namens Francis Fukuyama, der nach dem Fall des Eisernen Vorhangs vollmundig das &#8222;Ende der Geschichte&#8220; ausrief? Es war &#8211; nach all den gescheiterten Ideologien des 20. Jahrhunderts &#8211; der ultimative Anspruch, das Paradies w\u00e4re schon diesseits des Grabes erreichbar. <a href=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/DSC_0202.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-340\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/DSC_0202.jpg\" alt=\"DSC_0202\" width=\"577\" height=\"387\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/DSC_0202.jpg 800w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/DSC_0202-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 577px) 100vw, 577px\" \/><\/a>Der Jugoslawienkrieg in Europa, blutige Konflikte in Nahost, Asien und Afrika, ein neuer Kampf der Kulturen haben uns rasch eines Besseren belehrt. Globalisierung, neue Akteure wie transnationale Konzerne und Terrorgruppen sind Herausforderungen einer zunehmend vernetzten Welt mit Problemen, die in ihrer Komplexit\u00e4t oft schwer verst\u00e4ndlich erscheinen: Gesundheitskosten, Pensionsdynamik, Informationsbeschleunigung, Effizienzsteigerung, Zweidrittelgesellschaft, Asylproblematik, \u00d6lpreise, Klimaver\u00e4nderung, neue Seuchen, selbstm\u00f6rderische Gewalt\u00a0 &#8211; um nur wenige Schlagw\u00f6rter zu nennen. Immer seltener empfinden wir, konstruktiv zu L\u00f6sungen beitragen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Seien wir ehrlich: wir alle w\u00fcnschen uns manchmal einfache Muster f\u00fcr eine zunehmend komplexe Welt &#8211; wenn nicht gelegentlich gar einen Wunder-Zampano, der mit klaren Worten und entschiedener Hand Probleme einfach l\u00f6st. Wir wissen, wie komplex ein einzelner Mensch ist. Warum sollten gr\u00f6\u00dfere Gemeinschaften einfacher sein? Nur Demagogen bieten simple Antworten.<\/p>\n<h5><b>Erm\u00fcdungserscheinungen&#8230;<\/b><\/h5>\n<p><strong>Innerhalb europ\u00e4ischer Demokratien<\/strong> machen sich zunehmend, wenn schon nicht tiefe Krisen, so doch Unwohlsein und Erm\u00fcdungserscheinungen breit. Die nach dem Zweiten Weltkrieg \u00fcberall hohe Wahlbeteiligung sinkt kontinuierlich &#8211; und in den letzten Jahren immer schneller. Politm\u00fcdigkeit ist mehr als ein Schlagwort, w\u00e4hrend gleichzeitig diffuser \u00c4rger \u00fcber &#8222;die da oben&#8220; zunimmt &#8211; und Populististen auf den Plan ruft, die mit schlagkr\u00e4ftigen Parolen einfache L\u00f6sungen versprechen.<\/p>\n<p>Solange die Weltwirtschaft und damit das soziale Gef\u00fcge halbwegs stabil bleiben, entlarven sich Demagogen \u00fcber kurz oder lang selbst. Wie rasch der R\u00fcckfall in Barbarei m\u00f6glich ist, zeigt nicht nur der t\u00e4gliche Blick auf Fernsehbilder, sondern auch ein selbstkritischer in unsere eigene Geschichte: W\u00fcrde unsere Demokratie eine tiefere Krise wie in den sp\u00e4ten zwanziger und drei\u00dfiger Jahren des letzten Jahrhunderts unbeschadet \u00fcberstehen?<\/p>\n<p><strong>Winston Churchills <\/strong>ironisches Bonmot: \u201e<i>Demokratie ist die schlechteste Staatsform, ausgemommen alle anderen&#8230;\u201c<\/i> gilt noch immer, hat aber mehr denn je einen resignativen Beiklang. Allenthalben nimmt die Skepsis gegen\u00fcber etablierten demokratischen Formen zu, die Generationen vor uns erk\u00e4mpften. Wir setzen sie heute als gegeben voraus, ja wir r\u00fcmpfen gelegentlich \u00fcber deren Unzul\u00e4nglichkeiten die Nase, um uns manchmal entt\u00e4uscht, oder sogar angewidert abzuwenden. Selbst bei optimistischer Sicht erscheint die heutige Demokratie &#8211; bei allen nationalen Spielarten &#8211; als ein Telos der Geschichte, als die fast naturnotwendig h\u00f6chste Form des politischen und sozialen Lebens, die &#8211; wenn schon nicht perfekt &#8211; so doch kaum mehr weiter entwickelbar ist.<\/p>\n<h5><b>&#8230;erfolgreicher Demokratiemodelle<\/b><\/h5>\n<p>Unsere Demokratie ist das &#8211; noch immer &#8211; beste System, das wir in der Geschichte der Menschheit entwickelt haben &#8211; im Idealfall selbst erk\u00e4mpft und aufgebaut wie etwa in der Schweiz. Demokratieimport durch die Westm\u00e4chte nach dem Fiasko der totalit\u00e4ren Erfahrung der vorangegangenen Jahre funktionierte in Deutschland und \u00d6sterreich, weil dieser Neubeginn auf den &#8211; zugegebenerma\u00dfen fragilen &#8211; demokratischen Wurzeln der Ersten Republik aufbaute.<\/p>\n<p>Noch so wohlgemeinter &#8211; so man das \u00fcberhaupt annehmen will &#8211; Demokratieimport kann dort kaum Fu\u00df fassen, wo die gesellschaftlichen Strukturen paternalistisch, diktatorisch, totalit\u00e4r, oder wie auch immer sonst undemokratisch sind: Beispiele j\u00fcngster Vergangenheit sind Afghanistan und Irak, auch der Kaukasus oder Zentralasien. Internationale sowie Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) konnten selbst am europ\u00e4ischen Balkan nur mit gr\u00f6\u00dftem Aufwand an Truppen, Geld und massiver ziviler Aufbauhilfe zu einer halbwegs akzeptablen Stabilisierung der Lage beitragen &#8211; von &#8222;failed states&#8220;, gescheiterten Staaten in anderen Teilen der Welt gar nicht zu reden.<\/p>\n<h5><b>Voraussetzungen f\u00fcr Erfolg &#8230;<\/b><\/h5>\n<p>Die traditionellen demokratischen Mechanismen mit periodischen Wahlen allein sind, wie wir erkannt haben, nie genug. Eine funktionierende Demokratie braucht weit mehr als regelm\u00e4\u00dfige Urneng\u00e4nge: akzeptierte Grundwerte, Bindungen und ein Selbstverst\u00e4ndnis \u00fcber Clanloyalit\u00e4t hinaus, Bildung, freie Medien, eine florierende Wirtschaft, Gewaltenteilung mit einer unabh\u00e4ngigen Justiz gegen Korruptionsversuchungen und unvermeidlichen Machtmissbrauch, aber vor allem die aktive Beteiligung der Menschen sind &#8211; auch bei uns &#8211; Grundvoraussetzungen nachhaltigen Funktionierens. Wenn &#8211; trotz (<i>schon das Wort klingt sperrig<\/i>!) Gesetzesbegutachtungsverfahren durch Interessensgruppen &#8211; die politische Frustration der Menschen \u00fcber erkennbare Schw\u00e4chen des Systems zu einem Ohnmachtgef\u00fchl wird, ist das Gef\u00fcge bedroht. Ans\u00e4tze zur \u00c4nderung wie die Bundesstaatsreform in \u00d6sterreich oder den Europ\u00e4ischen Verfassungskonvent gibt es: Aber sie bleiben weitgehend die akademischen Diskussionsforen einer kleinen Elite, und verebben bald wieder in den Wogen der Machtk\u00e4mpfe von Interessensgruppen, Parteien und Strukturen. Das Volk f\u00fchlt sich ausgeschlossen.<\/p>\n<p><strong>Die Systemgrenzen<\/strong> unseres Demokratiemodells liegen auch dort, wo Akteure den verfestigten Strukturen und Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten von Kampf um die Macht, Machterhalt, Kampf gegen die Macht verhaftet scheinen &#8211; oder zumindest ausgeliefert. Starre Regierungskoalitionen oder Parlamente mit Clubzwang lassen auf h\u00f6chster Ebene, und unter dem l\u00fcsternen Blick von Medien (&#8222;<i>wer f\u00e4llt um<\/i>&#8230;?&#8220;) wenig Spielraum. \u00c4nderungen \u201ctop-down&#8220;, von Regierungen, gar von der internationalen Staatengemeinschaft, also von \u201cirgendwo ganz oben\u201d zu erwarten w\u00e4re naive Illusion.<\/p>\n<p><strong>Egal ob auf nationaler Ebene oder auf dem internationalen Parkett<\/strong>: M\u00e4chtige lassen sich selten freiwillig in ihrer Macht beschneiden. Oft fehlt sogar die grundlegende Freiheit des Handelns, ja des Denkens in neuen Mustern. Regierungen und Parlamente werden \u00e4u\u00dferst selten mehr als nur Spiegel kleinerer Strukturen sein &#8211; manchmal Zerrspiegel, die kranke Machtstrukturen bis ins Groteske verdeutlichen.<\/p>\n<p>Es ist ja grunds\u00e4tzlich positiv, wenn die Skepsis gegen\u00fcber m\u00e4chtig scheinenden Akteuren w\u00e4chst, die bei all den Herausforderungen &#8211; national wie weltweit &#8211; in kleinliche Machtk\u00e4mpfe verstrickt scheinen. Dennoch: Politiker, Manager, Diplomaten sind manchmal, aber l\u00e4ngst nicht immer die zynischen Spieler der Macht, als die sie in Medien erscheinen. Letztere leben gerade von Skandalen und Katastrophen &#8211; getreu dem\u00a0 Schlagzeilencredo: \u201c<i>only bad news are good news for us<\/i>\u201d. Die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten einer globalisierten Wirtschaft machen selbst die Akteure zu Re-Agierenden, die scheinbar selbstbewusst, aber oft verzweifelt versuchen, den Lauf der politischen und \u00f6konomischen Dinge im weltweiten Wettbewerb noch halbwegs beeinflussen zu k\u00f6nnen. Diese nationalen Re-Aktionen und Reflexe erscheinen dabei &#8211; wie Visotschnig und Schrotta an einigen Beispielen veranschaulichen &#8211; des \u00f6fteren zwanghaft und kurzsichtig, aber selten vision\u00e4r. Die traditionellen Macht- als Nullsummenspiele sto\u00dfen mit hergebrachten Demokratiemustern in ihrer Probleml\u00f6sungskompetenz an ihre systemischen Grenzen.<\/p>\n<h5><b>&#8230; und Weiterentwicklung der Demokratie<\/b><\/h5>\n<p>Ver\u00e4nderungen, Weiterentwicklungen &#8211; wenn sie nachhaltig sind &#8211; kommen von unten: sie sind zarte Pfl\u00e4nzchen, die von Menschen gepflegt werden m\u00fcssen, damit sie nicht verk\u00fcmmern oder zu Wildwuchs verkommen. So wurzelte die Gr\u00fcnbewegung in den 68er-Ideen, in der Unzufriedenheit mit kaum erfolgter tieferer Aufarbeitung einer F\u00fchrergesellschaft, im Nicht-Akzeptieren des kalten Krieges und seines Vernichtungspotentials, und im Erkennen, dass unbegrenztes Wachstum zu Umwelt- und Ungleichheitsproblemen f\u00fchrt, die unsere Lebensgrundlagen bedrohen. Gr\u00fcne, NGOs, globalisierungskritische Bewegungen wie Attac heute zeigen &#8211; egal, wie man dazu steht &#8211; dass neue Ans\u00e4tze und Partizipationsformen Erfolg haben k\u00f6nnen. Ihre Ideen werden &#8211; bei entsprechender Weiterentwicklung &#8211; Teil des politischen <i>Mainstream<\/i>. Auch wenn hehre basisdemokratische Ideale gerade durch die Anpassung an die g\u00fcltigen, unperfekten Demokratieformen Schiffbruch erleiden.<\/p>\n<h5><b>Traditionelle Konsensmodelle &#8230;<\/b><\/h5>\n<p>Es geht nicht darum, das Rad &#8211; die Demokratie &#8211; neu zu erfinden, sondern kreativ in der Anwendung und Weiterentwicklung zu sein. Die grunds\u00e4tzliche Idee, Entscheidungen durch <i>Konsens,<\/i> das heisst durch Kooperation aller statt durch <i>Mehrheitsentscheid<\/i> zu treffen, ist dabei nicht neu: Traditionelle Gesellschaften, religi\u00f6se oder anarchistische Gruppen haben sie bereits in der Vergangenheit angewandt. Auch mit Nachteilen von Konsensverfahren wurde Erfahrung gemacht: Eine Mehrheit oder <i>ein<\/i> M\u00e4chtiger kann durch &#8211; wir sollten nicht naiv sein &#8211; offene oder verborgene Mechanismen der Macht gewaltigen Druck auf Minderheiten aus\u00fcben. Das kann zu einer kontinuierlichen Form von N\u00f6tigung &#8211; individuell oder systemisch &#8211; Schw\u00e4cherer f\u00fchren &#8211; vom vergleichsweise subtilen \u201cAugenrollen\u201d einer dominanten Mehrheit in \u201cfriedliebenden\u201d Kleingruppen bis zu drastisch pervertierten Formen in revolution\u00e4ren \u201cVolksversammlungen\u201d, wo dissidente Meinungen unter \u201cZustimmung\u201d Betroffener bestraft, und letztere gebrochen werden.<\/p>\n<h5><b>&#8230; und ihre Schw\u00e4chen<\/b><\/h5>\n<p>Es gibt Internationale Organisationen wie die OSZE oder sogar die NATO, die nicht nach einem Mehrheits-, sondern nach einem <i>einfachen<\/i> Konsensprinzip operieren: <i>alle<\/i> beteiligten (Mitglieds)Staaten m\u00fcssen eine Entscheidung mittragen. Das klingt hoffnungsvoll konstruktiv &#8211; und bleibt doch oft graue Theorie: Kreative, integrative L\u00f6sungen sind schwer, solange de facto das Recht des St\u00e4rkeren gilt, der eine Palette traditioneller Machtmuster hat um Druck auszu\u00fcben. Selbst das Konsenserfordernis zumindest der f\u00fcnf Nachkriegs-Gro\u00dfm\u00e4chte im UN-Sicherheitsrat &#8211; der nach V\u00f6lkerrecht das Gewaltmonopol besitzt &#8211; bleibt Schim\u00e4re, wenn eine Weltmacht nicht vordergr\u00fcndig Sicherheit, sondern Hegemonie anstrebt und &#8211; mehr oder weniger im Alleingang &#8211; Gewalt anwendet, wie etwa das Irakkriegs-Beispiel der allerj\u00fcngsten Geschichte zeigt. <i>Ein<\/i> Hegemon und etliche Vassallen &#8211; nicht unbedingt das Modell von Konsens, das uns vorschwebt.<\/p>\n<p>Umgekehrt kann das Veto eines Einzelnen jegliche Entscheidung blockieren. Oder es kommt fallweise zu Kuhhandel bzw. einem Minimalkonsens, der alle ungl\u00fccklich macht: Denken wir an den Europ\u00e4ischen Verfassungskonvent, oder auch an die OSZE, wo absoluter Konsenszwang zur l\u00e4hmenden Stagnation f\u00fchren kann.<\/p>\n<h5><b>Die Voraussetzung&#8230;<\/b><\/h5>\n<p>Einige Voraussetzungen f\u00fcr <i>bisherige<\/i> Konsensverfahren sind das Verantwortungsbewusstsein und das Engagement sowie der <i>freie<\/i> Wille <i>aller<\/i> zur Kooperation, und nicht zuletzt ausreichend Zeit. Bei relativ homogenen, kleineren Gruppen ist dies leichter als bei gro\u00dfen Gemeinschaften mit komplexerer Interessenslage. Mit der boomenden Mediation &#8211; von Ehescheidung bis zu Betriebsanlage- bzw. Umweltverfahren &#8211; wurden neue, konstruktive Wege gegangen. Mediations- und Transformationsverfahren bei bewaffneten Konflikten, die auf tieferen Ressentiments und alten Feindschaften basieren, setzen nicht zuf\u00e4llig an der Basis an und\/oder werden unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit gef\u00fchrt. Sie brauchen Zeit, um das n\u00f6tige Vertrauen wachsen zu lassen. Dann haben sie Chancen auf nachhaltigen Erfolg.<\/p>\n<p>Wir sollten auch die m\u00f6glichen Grenzen herk\u00f6mmlicher Konsensverfahren erkennen: Stark polarisierte oder asymetrische Situationen sind nur schwer im Konsens zu l\u00f6sen &#8211; Beispiel Atomlobby gegen Kernkraftgegner. Aber auch bei anderen Themen wird es immer wieder Entscheidungen geben, mit der nicht alle Mitglieder einer Gruppe einverstanden sind.<\/p>\n<p><strong>Kein noch so guter Mechanismus<\/strong> kann irdische Unzul\u00e4nglichkeiten wie von selbst heilen. Der menschliche <i>Charakter<\/i> &#8211; mit all seinen Schatten &#8211; \u00e4ndert sich vielleicht nie. <i>Eine<\/i> Erkenntnis alter Weisheit und moderner Psychologie gilt aber weiter: Das menschliche <i>Verhalten<\/i> ist &#8211; positiv wie negativ &#8211; beeinflussbar. \u00c4ngste und Eitelkeit, asymetrische Strukturen, Machtstreben und Konflikte wird es immer geben. Unser <i>Umgang<\/i> damit l\u00e4sst sich verbessern.<\/p>\n<h5><b>&#8230; des Erfolgs neuer Modelle .<\/b><b>..<\/b><\/h5>\n<p>Das nun von Visotschnig und Schrotta weiterentwickelte, differenzierte <i>SK-Modell<\/i> beseitigt einige wesentliche der skizzierten Schw\u00e4chen, unter anderem die Blockaden durch das Veto Einzelner. Dabei ben\u00f6tigt es nur vergleichsweise geringen Zeitaufwand, ist f\u00fcr viele unterschiedliche Standpunkte geeignet, die zugleich verhandelt werden, und gelingt auch dann, wenn anf\u00e4nglich keine Kooperationsbereitschaft vorhanden ist.\u00a0 Diese entsteht vielmehr &#8211; wie die Autoren zeigen &#8211; konsequent und systembedingt im Laufe des Verfahrens. Konsensieren ist damit einerseits ein vielversprechendes Mittel, traditionelle Machtk\u00e4mpfe um Entscheidungen in unterschiedlichsten Gruppierungen, wenn schon nicht zu verhindern, so doch kreativer zu l\u00f6sen. Und es gibt auf der anderen Seite den Menschen neue M\u00f6glichkeiten, sich auf politischer Ebene jenseits periodischer Wahlen &#8211; wo Macht an <i>starre<\/i> Gruppierungen delegiert wird &#8211; an Entscheidungen zu beteiligen.<\/p>\n<p><strong>Das <i>SK-Prinzip<\/i> <\/strong>ist damit &#8211; auch &#8211; ein Mittel gegen Pessimismus: Es gibt uns ein anwendbares R\u00fcstzeug, zwischenmenschliche Herauforderungen kreativer zu gestalten, sowie mehr Menschen aktiv in die Gestaltung einer zunehmend komplexen, sich immer schneller ver\u00e4ndernden Welt einzubinden &#8211; ohne ein Wundermittel zur Aufhebung aller menschlichen Schw\u00e4chen zu sein: das versprechen nur Ideologien oder andere Religionen.<\/p>\n<h5><b>&#8230; und die Chancen zur Umsetzung<\/b><\/h5>\n<p>Getreu dem ewig g\u00fcltigen Spruch \u201e<i>Es gibt nichts Gutes, au\u00dfer man tut es<\/i>\u201c liegt es an uns, in <i>unseren<\/i> H\u00e4nden, <i>unseren<\/i> Gedanken, <i>unseren<\/i> Ideen, an <i>unserer<\/i> Umsetzung, ob sich die Welt positiv ver\u00e4ndert, weiterentwickelt. Warten wir nicht, bis <i>es<\/i> \u201eirgendwer\u201c tut. Jede noch so kleine Gruppe kann ihre &#8211; wie Visotschnig und Schrotta ausf\u00fchren &#8211; Erfahrungen machen, \u00fcberraschende Erfolge erzielen, neue Erkenntnisse gewinnen. Dass der Ueberreuter-Verlag auch schon mit Hilfe des <i>SK-Prinzips <\/i>entschieden\u00a0 hat, ist sicher kein Zufall.<\/p>\n<p><b>Gunther Neumann<\/b> hat Geschichte, Wirtschaft, Ethnologie, V\u00f6lkerrecht &amp; Internationale Beziehungen in Wien und Paris studiert; sp\u00e4ter Weiterbildung in Mediation. Als Korrespondent in Zentralamerika und S\u00fcdostasien sowie als Vertreter des Roten Kreuzes in Westafrika war er lange Jahre Beobachter und Analytiker lokaler und internationaler Konflikte. Seit 1998 ist er stellvertretender Direktor der Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" id=\"imgBlkFront\" class=\"image-stretch-vertical frontImage\" src=\"http:\/\/ecx.images-amazon.com\/images\/I\/418ZCC75DNL._SY344_BO1,204,203,200_.jpg\" alt=\"\" width=\"155\" height=\"231\" \/><\/p>\n<h6>ISBN: 978-3800070961<\/h6>\n<h6>Erich Visotschnig, Siegfried Schrotta<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Demokratie, globale Machtstrukturen und Konfliktl\u00f6sungen Nachwort zu Das SK-Prinzip: Wie man Konflikte ohne Machtk\u00e4mpfe l\u00f6st Ueberreuter Verlag<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/174"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=174"}],"version-history":[{"count":53,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/174\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2979,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/174\/revisions\/2979"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=174"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=174"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=174"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}