{"id":1746,"date":"2016-06-30T21:14:45","date_gmt":"2016-06-30T21:14:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=1746"},"modified":"2016-08-15T21:28:01","modified_gmt":"2016-08-15T21:28:01","slug":"europa-jetzt-erst-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=1746","title":{"rendered":"Europa: Jetzt erst recht"},"content":{"rendered":"<p>Eine literarische Ann\u00e4herung an den Kontinent und sein Selbstverst\u00e4ndnis<\/p>\n<h3>Europa &#8211; jetzt erst recht<\/h3>\n<p>Mehr als die Summe seiner \u00c4ngste<\/p>\n<p>Wiener Zeitung, Juni 2016<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong>Ein Kontinent hadert mit sich selbst. 16 Autoren teilen Mythen und Erfahrungen<\/strong><\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong>Europa ist in aller Munde<\/strong>, doch die Stimmen sind kaum optimistisch. Wenn wir aus der Kakophonie schriller T\u00f6ne ein Leitmotiv heraush\u00f6ren, dann lautet es: Krise. Entt\u00e4uscht von Politik und Wirtschaft, suchen wir bei der Kultur nach Antworten. 16 namhafte Autoren n\u00e4hern sich in einem Sammelband dem Thema, auch von den R\u00e4ndern des Kontinents oder vom Meer, wo unser aller migratorische Anf\u00e4nge lagen. Ist Europa, die von Zeus entf\u00fchrte ph\u00f6nizische Prinzessin, je angekommen, fragt Uwe Beyer, der Herausgeber des Bandes. Die Erz\u00e4hlungen und Essays tauchen in Mythen, in Schmerzzonen, die sie hinterfragen.<\/p>\n<p class=\"em_text\">&#8222;Europa &#8211; jetzt erst recht! Das ist mir sympathisch. Im allgemeinen Krisengerede dagegenzuhalten. Nicht einzustimmen in das Wehklagen, das allzu wohlfeil ist&#8220;, h\u00e4lt Karl Schl\u00f6gel gegen den verbreiteten Pessimismus. Nicht alle m\u00f6chten sich dem Osteuropa-Historiker anschlie\u00dfen. &#8222;Muss man immer das Haar in der Suppe finden?&#8220;, fragt Adolf Muschg beim Gang durch eine geliftete baltische Altstadt: &#8222;Ja, wenn das Haar eine ganz andere Geschichte erz\u00e4hlt.&#8220;<\/p>\n<p class=\"em_text\">Viel ist naturgem\u00e4\u00df von Flucht die Rede, und von selbst erlebter Fremde, wie etwa bei Peter H\u00e4rtling oder Vladimir Vertlib. Martin Horv\u00e1th liefert dazu eine exemplarische Parabel, und Ralph Dohrmann entwirft in magisch-poetischer Prosa eine Dystopie, in der Europ\u00e4er nach Nordafrika oder Vorderasien fliehen.<\/p>\n<p class=\"em_text\"><strong>Ein Kommen und Gehen, ein Vergehen und Erhalten-Bleiben<\/strong><\/p>\n<p class=\"em_text\">Die aus der Slowakei stammende Schweizer Buchpreistr\u00e4gerin Irena Brezna geht unser Verh\u00e4ltnis zum &#8222;Fremden&#8220; pointiert-klug an, und die Kulturpublizistin Verena St\u00f6ssinger reist bis zu den F\u00e4r\u00f6er-Inseln im sturmgepeitschten Norden. Was Europa eigentlich vereint, meint Olga Mannheimer schalkhaft-ironisch, ist wohl das Misstrauen gegen\u00fcber einem vereinten Europa. Tanja D\u00fcckers wird f\u00fcr ein gemeinsames Identit\u00e4tsgef\u00fchl beim Soziologen Ulrich Beck f\u00fcndig: eine europ\u00e4ische schlie\u00dft eine Herkunftsidentit\u00e4t nicht aus.<\/p>\n<p class=\"em_text\">In sich polyphon ist Iwona Mickiewicz\u2019 Text, ein Chor aus Ost und West, Nord und S\u00fcd: Konstant ist f\u00fcr eine ihrer Stimmen die Ver\u00e4nderung, das Kommen und Gehen, das Vergehen und Erhalten-Bleiben. Kein Autor kann die Deutungshoheit \u00fcber Europa f\u00fcr sich allein in Anspruch nehmen. Eine singul\u00e4re Vision von Europa wird es nie geben. Diese Vielfalt macht die Kraft des Bandes und Europas aus.<\/p>\n<div class=\"em_zusatz_box_body\">\n<div class=\"em_cnt_half\">\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Courier New,monospace;\"><span style=\"font-size: large;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"em_article_image\" title=\"\" src=\"http:\/\/www.wienerzeitung.at\/_em_daten\/_cache\/image\/1xVVjWg5HRqMZDc5RO6VBAv6ZTNDT7UPKD7LT8fQOtNfkAaUvMVcMDBC5JYQItiCzMwS-vhhyhCsAVyfNaI8TX3YOWjkBzbltNImDhcpgQm0SWe_QxCrbY-w\/160630-1759-948-0900-38596-beyer-europa.jpg\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"260\" \/><\/span><\/span><\/p>\n<h4>Uwe Beyer (Hrsg.)<\/h4>\n<h4>Europa im Wort<\/h4>\n<h4>Eine literarische Seismographie in 16 Aufzeichnungen. Lese-Zeiten-Verlag, Heidelberg 2016, 245 Seiten, 19,80 Euro.<\/h4>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine literarische Ann\u00e4herung an den Kontinent und sein Selbstverst\u00e4ndnis Europa &#8211; jetzt erst recht Mehr als die Summe seiner \u00c4ngste Wiener Zeitung, Juni 2016<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1746"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1746"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1746\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1751,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1746\/revisions\/1751"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1746"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1746"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1746"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}