{"id":1843,"date":"2025-02-02T07:12:00","date_gmt":"2025-02-02T07:12:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=1843"},"modified":"2025-02-01T20:40:58","modified_gmt":"2025-02-01T20:40:58","slug":"serhij-zhadan-warum-ich-nicht-im-netz-bin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=1843","title":{"rendered":"Serhij Zhadan  Warum ich nicht im Netz bin"},"content":{"rendered":"<p>Serhij Zhadan:\u00a0 Warum ich nicht im Netz bin<\/p>\n<h3>Der Krieg und seine Sprache<\/h3>\n<p><strong>Der metallische Nachgeschmack von Worten<\/strong><\/p>\n<p>Serhij Zhadan buchstabiert Kriegsverheerungen in der ukrainischen Landschaft und in den K\u00f6pfen der Menschen<\/p>\n<p>Wiener Zeitung<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Er ist Dichter und Rapper, Essayist und Intellektueller. Seit den Romanen \u201eDie Erfindung des Jazz im Donbass\u201c und \u201eMesopotamien\u201c \u00fcber Schmerzen und Skurrilit\u00e4ten der postsowjetischen Transformation in der Ukraine z\u00e4hlt er auch bei uns zu den wichtigsten literarischen Stimmen seines aufgew\u00fchlten Landes.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/20190329_165230.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-2466\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/20190329_165230-1024x768.jpg\" alt=\"20190329_165230\" width=\"448\" height=\"597\" \/><\/a><\/p>\n<p>Anders als die Westukrainer Jurij Andruchowytsch und Oksana Sabuschko oder der Kiewer Andrei Kurkow stammt Serhij Zhadan aus dem russischsprachigen Donbass.<\/p>\n<p>In seinem neuen Hybrid-Buch aus Tagebuchaufzeichnungen und balladenartigen Langgedichten durchstreift er mit seiner Punkband Hunde im Kosmos Industriest\u00e4dte, die kurz vor Kriegsausbruch \u201ewie blinde Tiere \u00fcber dem Abgrund balancieren\u201c: Starobilsk, wo er geboren wurde, Charkiw, wo er lebt, Luhansk, das bis 1992 Woroschilowgrad hie\u00df, Slawjansk, wo dann der Krieg begann, oder Debaltsewo: St\u00e4dte, von denen Existenz wir erst durch Nachrichten und Schlachtbilder Kenntnis nahmen.<\/p>\n<p>Im baldigen Sumpf zerst\u00f6rter Orte und verw\u00fcsteter Landschaften sucht Zhadan den Dialog mit alten Freunden und pl\u00f6tzlichen Feinden, notiert deren Wut, Angst und auch Hoffnung, mit ihren jeweiligen Wahrheiten geh\u00f6rt zu werden. Bei allem metallischem Nachklang des Vokabulars gewinnen die Charakterbilder plastische Sinnlichkeit. In beeindruckender Verdichtung umrei\u00dft Zhadan Leidenschaften, Z\u00e4rtlichkeit und Hass. Menschen bitten, fluchen, flehen, und werden nicht geh\u00f6rt. In Kinderferienlagern hocken Einheiten, die ihre Waffen justieren. Ein Brotladen hat nun auch Trauerkr\u00e4nze im Angebot.<a href=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/20190330_173016.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft  wp-image-2467\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/20190330_173016-1024x768.jpg\" alt=\"20190330_173016\" width=\"448\" height=\"596\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zhadan verankert keine Gewissheiten im Leser, sondern stellt erhellende Fragen ohne Pathos. In seinen poetische Reportagen ertastet der Sprachk\u00fcnstler Leerstellen, und findet trotz Illusionslosigkeit im Kriegsl\u00e4rm Bruchst\u00fccke von Zuversicht. Selbst wenn wir uns l\u00e4ngst von den Gr\u00e4uelbildern der letzten Jahre ersch\u00fcttert oder abgestumpft abgewandt haben: Zhadans lakonisch-prosaische Momentaufnahmen offenbaren &#8211; mehr als jeder Videoclip &#8211; die Verheerungen des Krieges in der Landschaft und in den K\u00f6pfen der Menschen.<\/p>\n<p><em>Serhij Zhadan<\/em><\/p>\n<p><em> Warum ich nicht im Netz bin. Gedichte und Prosa aus dem Krieg<\/em><\/p>\n<p><em> Deutsch von Claudia Dathe und Esther Kinsky<\/em><\/p>\n<p><em> Edition Suhrkamp<\/em><\/p>\n<p><em> 180 S., 16.50 Euro<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Serhij Zhadan:\u00a0 Warum ich nicht im Netz bin Der Krieg und seine Sprache Der metallische Nachgeschmack von Worten Serhij Zhadan buchstabiert Kriegsverheerungen in der ukrainischen Landschaft und in den K\u00f6pfen der Menschen Wiener Zeitung<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2,1],"tags":[11,21],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1843"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1843"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1843\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2856,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1843\/revisions\/2856"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1843"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1843"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1843"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}