{"id":1884,"date":"2018-07-05T15:23:00","date_gmt":"2018-07-05T15:23:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=1884"},"modified":"2020-05-29T12:32:01","modified_gmt":"2020-05-29T12:32:01","slug":"angelika-overath-der-blinde-und-der-elephant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=1884","title":{"rendered":"Angelika Overath, Der Blinde und der Elephant"},"content":{"rendered":"<p>Der Blinde und der Elephant<\/p>\n<h3>Geschenkte Augenblicke<\/h3>\n<p>Literarische H\u00e4ppchen von Gl\u00fcck der Sprachmalerin Angelika Overath<\/p>\n<p>Wiener Zeitung, Juli 2018<!--more--><\/p>\n<p>Gibt es in unserer digitalen Bilderflut noch Raum f\u00fcr ein feineres Sensorium des Sehens, und die entsprechende Transformation in Sprache? Angelika Overath hat es in Romanen, literarischen Reportagen und Essays so subtil wie \u00fcberzeugend bewiesen. Bei &#8222;Der Blinde und der Elephant&#8220; wurde auf eine Genrebezeichnung verzichtet: es w\u00e4re schwierig, die unterschiedlichen Textsorten mit einem Etikett zu versehen.<\/p>\n<p><strong>Geschichten vom Sehen und Begreifen<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst sind es poetische Journale, teils unmittelbar pers\u00f6nliche, teils Gedankenf\u00e4den \u00fcber Autorenkollegen wie Bruce Chatwin, der wie Overath &#8222;nach Wirklichkeiten fahndet&#8220;. Wenn die Autorin &#8211; frei nach Antonio Tabucchi &#8211; &#8222;Orte der Zuneigung und Reflexion&#8220; besucht, stellt sie Fragen, manchmal melancholisch, etwa nach dem Verblassen klassischer Bildungsinhalte in einer rasant beschleunigten Welt. &#8222;Griechischlernen ist Luxus, wie Gedichtelesen Luxus ist.&#8220;<\/p>\n<p>Das Thema Migration durchzieht die Geschichten, ohne moralische Lektionen, und fein gesponnen: wir sind alle Wanderer durch Raum und Zeit. Overath nimmt den Leser bei der Hand, setzt ihn wieder aus. Die deutsche Autorin schafft Atmosph\u00e4re durch Andeutungen, vertraut darauf, dass genaues Hinsehen, Hinh\u00f6ren und eine feine, schmucklose Sprache oft plastischere Bilder und tiefere Kl\u00e4nge evozieren als gedrechselte Formulierungen. In vermeintlicher Kargheit entsteht Dichte, die man als sprachliche H\u00e4ppchen von Gl\u00fcck genie\u00dft, &#8222;geschenkte Augenblicke&#8220;, die lange nachklingen.<\/p>\n<p>Die Sprachmalerin Overath transformiert auch andere Kunstformen in Worte, erweitert unsere Wahrnehmung. Ohne Belesenheitsdemonstration entf\u00fchrt sie mit dem Maler Giotto von Padua ins Mittelalter, ins biblische Pal\u00e4stina, in den ultramarinblauen Himmel. Sie folgt Autorinnen wie Herta M\u00fcller bei der Montage faktografischen Materials. Manches, was Overath in ihrem autobiographischen Roman &#8222;Nahe Tage&#8220; schrieb, hatte sie &#8222;selbst nicht verstanden&#8220;: Sie schrieb &#8222;als Staunende&#8220;.<\/p>\n<p>Der Schlusssatz des letzten Kapitels, die Kurzreportage einer Lesung in einer Schule f\u00fcr Down-Syndrom-Kinder, spiegelt so manche Lesemomente wieder: &#8222;Und ich erschrak vor Gl\u00fcck.&#8220;<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Angelika Overath<br \/>\nDer Blinde und der Elephant<br \/>\nGeschichten vom Sehen und Begreifen. Luchterhand, M\u00fcnchen 2017, 240 Seiten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Blinde und der Elephant Geschenkte Augenblicke Literarische H\u00e4ppchen von Gl\u00fcck der Sprachmalerin Angelika Overath Wiener Zeitung, Juli 2018<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1884"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1884"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1884\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1887,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1884\/revisions\/1887"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1884"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1884"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1884"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}