{"id":194,"date":"2010-01-02T10:00:08","date_gmt":"2010-01-02T10:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=194"},"modified":"2024-06-20T19:18:55","modified_gmt":"2024-06-20T19:18:55","slug":"investitionen-statt-almosen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=194","title":{"rendered":"Investitionen statt Almosen"},"content":{"rendered":"<p>Nach 50 Jahren Entwicklungshilfe wachsen Zweifel und Kritik an deren Effektivit\u00e4t<\/p>\n<h3>Investitionen statt Almosen<\/h3>\n<p>Wiener Zeitung, Mai 2012<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p id=\"absatz1\">&#8222;Hunger im Sahel &#8211; 7 Million Kinder betroffen. Schon 7 Euro retten ein Menschenleben!&#8220;<\/p>\n<p>Diese Schlagzeilen aus dem Fr\u00fchjahr 2012 konnte man auch in den vergangenen Jahren, ja bereits in den achtziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts lesen. Hat sich also gar nichts ver\u00e4ndert? Auch dar\u00fcber wird im Rahmen des Kongresses &#8222;Zukunft ohne Hunger&#8220; zu reden sein, zu welchem die Caritas Anfang Juni nach Wien l\u00e4dt, mit dem ehemaligen UNO-Generalsekret\u00e4r Kofi Annan als Hauptredner.<\/p>\n<h5>&#8222;Humanit\u00e4re Hilfe&#8220;<\/h5>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-508\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/Kopie-3-von-DSC04996.jpg\" alt=\"Kopie (3) von DSC04996\" width=\"737\" height=\"553\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/Kopie-3-von-DSC04996.jpg 2048w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/Kopie-3-von-DSC04996-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/Kopie-3-von-DSC04996-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 737px) 100vw, 737px\" \/>Moralisch ist die Sache eindeutig: In weiten Teilen der Welt herrscht himmelschreiendes Elend. Milliarden von extrem Armen muss geholfen werden. Denn &#8211; soweit die nahe liegende Grundannahme &#8211; wir sind (mit-)verantwortlich: wegen des Kolonialismus einst, der ungerechten Weltordnung und unseren Lebensstils heute. Aber schlechtes Gewissen ist kein n\u00fctzlicher Ratgeber.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns Medienkonsumenten vermischen sich die Begriffe leicht. Hunger- oder Fl\u00fcchtlingshilfe nach einem Krieg oder einem Tsunami ist &#8222;Humanit\u00e4re Hilfe&#8220;. Sie sollte nach der Akutphase in Aufbauunterst\u00fctzung \u00fcbergehen. NGOs wie hierzulande CARE, Caritas, Horizont 3000 und ein Dutzend anderer leisten mit engagiertem, hochqualifiziertem Personal Pionierarbeit und f\u00f6rdern lokale Initiativen, finanziert durch Spenden und \u00f6ffentliche oder europ\u00e4ische Mittel. Der L\u00f6wenanteil an Geldern geht allerdings nicht in solche Projekte, sondern in Zusch\u00fcsse und Darlehen f\u00fcr Staaten, sowie in UNO-Programme, samt deren Verwaltung und Experten.<\/p>\n<p>Zu Beginn der Entwicklungshilfe in den 1960er Jahren, als 30 afrikanische L\u00e4nder ihre Unabh\u00e4ngigkeit erlangten, war gutgemeinter Wille das Ma\u00df. Dann wurden ambiti\u00f6se Masterpl\u00e4ne erarbeitet &#8211; die Entwicklungsl\u00e4nder sollten mit Gro\u00dfprojekten rasch die Industrialisierung nachholen &#8211; und durch immer neue Rezepte \u00fcberholt.<\/p>\n<p>Grundbed\u00fcrfnisse r\u00fcckten in den Fokus: Essen, Gesundheit, Infrastruktur. Im Ost-West-Konflikt kamen allerdings auch strategische Hilfen hinzu &#8211; und so manche dieser &#8222;Geschenke&#8220; waren vergiftet, wie etwa Lebensmittelhilfen, die Marktverzerrungen schufen, oder gar Waffenlieferungen. Zahlreiche L\u00e4nder landeten in der Verschuldungsfalle.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter beeindruckten Zahlen: Je mehr Moskitonetze, Medikamente oder Solarkoch\u00f6fen verteilt wurden, desto besser. Hochgelobte Teill\u00f6sungen entpuppten sich aber oft als wirkungslos oder gar sch\u00e4dlich. Auf zahllosen Konferenzen, bei Entwicklungsbanken und unter NGOs wurde diskutiert, was Armut nachhaltig mindert: Gerechte Preise? Freier Marktzugang? Ideologiefrei waren diese hitzigen Debatten praktisch nie: Radikalliberale wollten M\u00e4rkte als Schocktherapie \u00f6ffnen. F\u00fcr revolution\u00e4r Inspirierte musste zwar Kuba und Nicaragua geholfen, daf\u00fcr aber S\u00fcdafrika boykottiert werden. Andere diktatorische Regime in Afrika waren europ\u00e4ische Hinterlassenschaften, Opfer des Kolonialismus. Manche Visionen alternativer Wirtschaftsmodelle, die im Norden nicht funktionierten, wurden in den S\u00fcden projiziert.<\/p>\n<h5>Mikrokredite in Verruf<\/h5>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-510\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC04990.jpg\" alt=\"DSC04990\" width=\"737\" height=\"553\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC04990.jpg 2048w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC04990-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC04990-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 737px) 100vw, 737px\" \/>In den letzten Jahren sorgte das vom pakistanischen Nobelpreistr\u00e4ger Muhammad Yunus gef\u00f6rderte Mikrokreditsystem f\u00fcr Furore: Saatgut f\u00fcr B\u00e4uerinnen, Netze f\u00fcr Fischer, N\u00e4hmaschinen f\u00fcr Schneiderinnen &#8211; Investitionen statt Almosen. Doch Menschen sind naturgem\u00e4\u00df menschlich, daher wird Geld manchmal lieber f\u00fcr ein Familienereignis ausgegeben, f\u00fcr einen Fernsehapparat, oder einfach schlecht investiert. Die erhoffte Verbesserung in Gesundheitspflege und Bildung fand jedenfalls nicht in dem erhofften Ausma\u00df statt, noch seltener die Erm\u00e4chtigung der Frauen: Viele wurden von ihren M\u00e4nnern zu Krediten \u00fcberredet, manche begingen Selbstmord.<\/p>\n<p>Das System geriet dadurch zu Unrecht generell in Misskredit. Mikrokredite k\u00f6nnen nachhaltige Investitionen in Kleinunternehmen bewirken. Allheilmittel sind sie aber ebenso wenig wie viele andere, in Jahrzehnten des Zu-viel-Versprechens als Patentl\u00f6sungen angepriesene Entwicklungsideen.<\/p>\n<p>Die heute anerkannten Parameter f\u00fcr Entwicklung wurden von der UNO zusammengefasst: Arbeit, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergleichstellung, Nachhaltigkeit sind einige davon, die 2000 in acht griffige Millenniumsziele gegossen wurden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-518\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC05092.jpg\" alt=\"DSC05092\" width=\"553\" height=\"737\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC05092.jpg 1536w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC05092-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC05092-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 553px) 100vw, 553px\" \/>Zwei der f\u00fcr 2015 formulierten Ziele wurden immerhin bereits erreicht. Knapp 90 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung verf\u00fcgt heute \u00fcber sauberes Wasser &#8211; 1990 waren es nur 76. Das bedeutet Millionen weniger Durchfallerkrankungen und tote Kinder. Und die Zahl der Menschen, die von weniger als einem US-Dollar (inflationsbereinigt heute 1,25) leben, hat sich halbiert. Die Freude von Medien und Entwicklungs-NGOs bleibt trotzdem ged\u00e4mpft. Und das nicht nur, weil mit der Dramatisierungsfalle des\u00a0K-Faktors\u00a0&#8211; Krisen, Krankheiten, Katastrophen, Kriege, Kindersoldaten, Korruption &#8211; weiterhin die Negativschlagzeilen regieren, sondern auch, weil die rasanten Fortschritte haupts\u00e4chlich in Asien und in Lateinamerika erzielt wurden, daf\u00fcr kaum in Afrika, dem Hauptempf\u00e4nger von Entwicklungsgeldern.<\/p>\n<p>Genau hier setzen Skeptiker an. In seinem Buch &#8222;The White Man\u2019s Burden&#8220; (&#8222;Wir retten die Welt zu Tode&#8220;) stellt William Easterly die Frage, warum trotz offenkundiger Misserfolge die Entwicklungshilfe nicht an Popularit\u00e4t verliert. Lange wurden Kritiker aus der allzu politisch korrekten Debatte ausgegrenzt &#8211; bis sich vermehrt auch Afrikaner zu Wort meldeten. Axelle Kabou aus Kamerun etwa prangerte schon 1991 in ihrer Streitschrift &#8222;Weder arm noch ohnm\u00e4chtig &#8211; gegen schwarze Eliten und wei\u00dfe Helfer&#8220; die Unf\u00e4higkeit afrikanischer F\u00fchrer an, den Kontinent aus eigener Kraft weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-520\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/P1000443.jpg\" alt=\"P1000443\" width=\"553\" height=\"415\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/P1000443.jpg 1280w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/P1000443-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/P1000443-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 553px) 100vw, 553px\" \/>Sie wurde als Verr\u00e4terin geschm\u00e4ht. Doch die Zahl der Afrikaner nahm zu, die Entwicklungshilfe ablehnen, vom nigerianischen Nobelpreistr\u00e4ger Wole Soyinka bis zum kenianischen \u00d6konomen James Shikwati, der Anfang Juni auch nach Wien kommen wird.<\/p>\n<p>2009 wurde die bestens ausgebildete, dazu attraktive und eloquente Afrikanerin Dambisa Moyo mit ihrem Bestseller &#8222;Dead Aid&#8220; zum Darling der Kritiker. Ihre Thesen im Kern: Nach zwei Billionen an Entwicklungsgeldern stehe Afrika schlechter da als zu Beginn der &#8222;Almosenindustrie&#8220;. Der Kontinent bewege sich in einem Hamsterrad aus Abh\u00e4ngigkeit und Korruption. Entwicklungshilfe sei also das, was Karl Kraus einst \u00fcber die Psychoanalyse sagte: n\u00e4mlich die Krankheit, f\u00fcr deren Therapie sie sich halte.<\/p>\n<p>Widersacher werfen Moyo vor, populistische Halbwahrheiten zu verbreiten. Ihre Aussagen sind zwar polemisch, im Inhalt aber durchaus differenziert: So betont sie etwa, dass Krankheiten wie Malaria nur auszurotten sind, wenn gute Hilfsprogramme auch effektiv genutzt werden.<\/p>\n<p>Die Stimmen von afrikanischen Skeptikern, welche die eigene Verantwortung einfordern, werden in Europas aufgekl\u00e4rten Kreisen ungern geh\u00f6rt. Sie \u00e4hneln einander aber in zentralen Punkten: Hilfsgelder &#8211; laut dem Ghanaer George Ayittey die Summe von sechs Marshallpl\u00e4nen seit 1960! &#8211; stabilisieren korrupte Regime. Ohne Entwicklungshilfe m\u00fcssten die Regierenden Gewerbe, Landwirtschaft und Handel f\u00f6rdern, Steuern einheben &#8211; und w\u00e4ren so endlich dem Volk verpflichtet.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich argumentieren die Initiatoren des &#8222;Bonner Aufrufs f\u00fcr eine andere Entwicklungspolitik!&#8220; rund um Volker Seitz, der in seiner Schrift &#8222;Afrika wird armregiert&#8220; anprangert, dass die Gleichung Mehr Geld = Mehr Entwicklung nicht aufgehe. Entwicklungshilfe sei die Umverteilung des Geldes der Armen aus den reichen L\u00e4ndern an die Reichen aus den armen L\u00e4ndern, \u00e4tzte schon der \u00d6konom Peter Bauer.<\/p>\n<h5>Problemfall Afrika<\/h5>\n<p>Die offizielle \u00f6sterreichische Entwicklungshilfe ist mit kaum 0,27 Prozent des BIP einigerma\u00dfen weit vom deklarierten OECD-Ziel 0,7 Prozent entfernt. &#8222;Ein Tiefpunkt und international besch\u00e4mend&#8220;, kritisiert Ruth Picker, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Dachorganisation AG Globale Verantwortung stellvertretend f\u00fcr die heimischen NGOs. Doch schon die Frage: Was ist positive Entwicklung? f\u00fchrt zu lebhaften Debatten.<\/p>\n<p>Entwicklungspolitik sah in China oder Brasilien Direktinvestitionen und Kapitalmarktzugang vor, w\u00e4hrend Afrika bisher haupts\u00e4chlich eine hilfsbasierte Politik zuteil wurde. Eine Kultur der Ab- und Ausgrenzung wurde geschaffen, wobei laut Dambisa Moyo selbsternannte &#8222;Afrika-Kenner&#8220; jedweder Couleur zu Worte kommen: Selbstversorgung statt Diktat der M\u00e4rkte;\u00a0Fair Trade\u00a0als einwandfreies Modell.\u00a0Small\u00a0mochte oft\u00a0beautiful\u00a0sein, aber nicht immer\u00a0helpful. Von weltweit rund 1,1 Billionen Dollar an ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen allein im Krisenjahr 2010 entfielen nur drei Prozent auf Schwarzafrika. Kaum ein von Hilfe abh\u00e4ngiges Entwicklungsmodell war dort wirklich erfolgreich. Und Afrikas Anteil am Welthandel sank in den letzten 50 Jahren dramatisch um zwei Drittel auf unter zwei Prozent &#8211; und das inklusive S\u00fcdafrika und der \u00d6ll\u00e4nder.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-512\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC04896.jpg\" alt=\"DSC04896\" width=\"737\" height=\"553\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC04896.jpg 2048w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC04896-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC04896-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 737px) 100vw, 737px\" \/>Obwohl also der Erfolg von Entwicklungsgeldern mehr als fraglich ist, fordern Showgr\u00f6\u00dfen in\u00a0Glamour-Aid-Konzerten unbeirrbar mehr vom selben. &#8222;Eine Milliarde Afrikaner will nicht f\u00fcr Entertainment verwendet werden&#8220;, erbost sich Dambisa Moyo, &#8222;Wir wollen zur globalen Wirtschaft geh\u00f6ren.&#8220; Mitleid allein ist tats\u00e4chlich kein guter Businessplan.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst sind die L\u00e4nder Ostasiens trotz aller Wachstumsschmerzen auf der globalen \u00dcberholspur, als Produzenten, Rohstoffhungrige und neue Geberl\u00e4nder. Wir im Westen beklagen Budgetn\u00f6te und schauen fasziniert-erschrocken auf Chinas Expansion in Afrika. Agrobusiness breitet sich dort aus &#8211; was sich bei uns in Berichten von &#8222;Land Grabbing&#8220; niederschl\u00e4gt und neue Feindbilder sch\u00fcrt. Skeptiker sehen eine skrupellose neokoloniale Ausbeutung der Bodensch\u00e4tze, Afrikaner verweisen auf Investitionen ohne die verhasste Bevormundung. 1,2 Milliarden Inder haben heute mehr und bessere Lebensmittel als 450 Millionen Inder vor 50 Jahren &#8211; weniger durch Entwicklungshilfe oder \u00d6ko-Initiativen, sondern dank einer gr\u00fcnen Revolution. Produktivit\u00e4tssteigerungen konnten in Asien und S\u00fcdamerika den Hunger besiegen, doch die Rahmenbedingungen &#8211; Landrechte, die Vergabepraxis &#8211; sind in Simbabwe oder im Sudan selten fair, und funktionierende Institutionen oder Umweltstandards kaum vorhanden.<\/p>\n<p>Trotz seiner gegenw\u00e4rtigen Krise hat der Westen weiterhin aufkl\u00e4rerische Ziele. Patentrezepte zur Rettung der Armen gibt es keine, aber doch einige Erfolgsmodelle. Im Bereich (Aus-)Bildung ist gut koordinierte Entwicklungszusammenarbeit sinnvoll, bei der Ausrottung von Polio oder Pocken war sie nachweislich erfolgreich. Die Bill- und Melinda-Gates-Stiftung managt heute mit kaum einem Zehntel des Personals der WHO ein \u00e4hnliches Milliarden-Budget &#8211; oft effizienter.<\/p>\n<h4><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-516\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC05005.jpg\" alt=\"DSC05005\" width=\"737\" height=\"553\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC05005.jpg 2048w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC05005-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC05005-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 737px) 100vw, 737px\" \/>Privatsektor gefragt<\/h4>\n<p>Anderswo hat (markt-)wirtschaftliche Entwicklung mehr gebracht. Doch ungez\u00fcgelter Raubtierkapitalismus ohne Rechtsstaat hat verheerende Folgen. Beim Aufbau transparenter, partizipativer Strukturen ist technische Hilfe n\u00f6tig. &#8222;Wir d\u00fcrften Lernprozesse nicht ersticken&#8220;, wissen Christian Manahl, stellvertretender UNO-Beauftragter f\u00fcr Somalia, oder der Diplomat Georg Lennkh aus langj\u00e4hriger Entwicklungserfahrung in Verantwortungspositionen. Afrika braucht Direktinvestitionen, die Technologie und Jobs bringen, etwa in der Infrastruktur, in Glasfaserkabeln, Solarenergie, bei biogenen Reststoffen.<\/p>\n<p>Brigitte \u00d6ppinger-Walchshofer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Agentur der \u00d6sterreichischen Entwicklungszusammenarbeit (ADA), unterstreicht dabei die wachsende Bedeutung des Privatsektors. Dies sei keine Einbahnstra\u00dfe &#8211; es lohne sich f\u00fcr beide Seiten: vom investierten Kapital flie\u00dfe eineinhalb Mal soviel zur\u00fcck. &#8222;Wirtschaftspartnerschaften ja &#8211; solange sie Arbeits- und Umweltrechte respektieren und Arbeitspl\u00e4tze vor Ort schaffen&#8220;, meint dazu NGO-Vertreterin Ruth Picker.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-536\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC05009.jpg\" alt=\"DSC05009\" width=\"553\" height=\"737\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC05009.jpg 1536w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC05009-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/DSC05009-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 553px) 100vw, 553px\" \/>&#8222;Entwicklungspolitik ist eine Querschnittsmaterie&#8220;, sagt Max Santner, der beim \u00d6sterreichischen Roten Kreuz f\u00fcr Internationale Hilfe zust\u00e4ndig ist. &#8222;Handelspolitik, Agrarpolitik, Finanzpolitik haben die st\u00e4rksten entwicklungspolitischen Hebel.&#8220; Fairer Handel und gerechte Preise f\u00fcr Rohstoffe waren zu lange Leitmotive der Entwicklungsdiskussion. In den letzten Jahren haben sich die Weltmarktpreise von \u00d6l, Erzen, Kaffee, Soja und Getreide vervielfacht &#8211; doch damit keine L\u00f6sung gebracht, sondern Abh\u00e4ngigkeiten verfestigt und neue Konflikte gesch\u00fcrt.<\/p>\n<p>1,5 Milliarden Menschen sind von B\u00fcrgerkriegen, Repression oder Kriminalit\u00e4t betroffen. Ethik und eine entsprechende Politik haben also keineswegs ausgedient, um den Teufelskreis von Gewalt und Armut zu durchbrechen. Das umfassende\u00a0Wohlergehen jedes Einzelnen muss im Zentrum stehen, betont Wolfgang Petritsch, \u00d6sterreichs Vertreter bei der OECD. Bei Konfliktverh\u00fctung und Friedenssicherung oder im Umweltschutz ist internationale Zusammenarbeit unabdingbar. Nicht nur in fragilen Situationen braucht es lokale Partizipation, partnerschaftliche Unterst\u00fctzung &#8211; sowie supranationale Institutionen.<\/p>\n<p>Die Bedeutung rasant wachsender Volkswirtschaften wie Brasilien, China, Indien oder s\u00fcdostasiatischer Tigerstaaten wird sich k\u00fcnftig in den Entwicklungs- und Finanzinstitutionen spiegeln, aber auch zu einem verst\u00e4rkten Erfahrungsaustausch S\u00fcd-S\u00fcd f\u00fchren.\u00a0The white man\u2019s burden\u00a0wird also abnehmen. Was uns freilich nicht von unserer &#8211; auch finanziellen &#8211; Verantwortung f\u00fcr globale Herausforderungen wie etwa den Klimawandel befreit.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"_wp_link_placeholder\" data-wplink-edit=\"true\">https:\/\/www.wienerzeitung.at\/h\/investitionen-statt-almosen<\/a><\/p>\n<p><strong>Erw\u00e4hnte Autorinnen \/ Literatur:<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"cover\" src=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/grafik\/cover\/0\/26230.jpg\" alt=\"Cover: Wir retten die Welt zu Tode\" width=\"107\" height=\"165\" \/><b><\/b><\/p>\n<p><b>William Easterly<\/b>, &#8222;Wir retten die Welt zu Tode. F\u00fcr ein professionelleres Management im Kampf gegen die Armut&#8220;<br \/>\nDeutsch von Petra Pyka, 388 Seiten, 24,90 EUR, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2006<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"\" src=\"http:\/\/www.lenos.ch\/books\/images\/kabou_weder_arm.jpg\" alt=\"\" width=\"109\" height=\"178\" \/><b><\/b><b><\/b><\/p>\n<p><span class=\"buchtitel\"><b>Axelle Kabou,<\/b> &#8222;Weder arm noch ohnm\u00e4chtig<\/span><span class=\"text\">. Eine Streitschrift gegen schwarze Eliten und weisse Helfer&#8220; Deutsch von Monika Br\u00fcninghaus und Regula Renschler, <\/span>260 Seiten, \u20ac 14.50, Lenos Pocket, Basel 2009<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"\" src=\"http:\/\/haffmans-tolkemitt.de\/wp-content\/files_flutter\/1321889190Moyo_Bochblock_290px.jpg\" alt=\"\" width=\"131\" height=\"202\" border=\"0\" \/><b><\/b><\/p>\n<p><b>Dambisa Moyo,<\/b> &#8222;Dead Aid. Warum Entwicklungshilfe nicht funktioniert und was Afrika besser machen kann&#8220;<br \/>\nDeutsch von Hendrik Lorenzen, <span class=\"st\">Verlag Haffmans &amp; Tolkemitt,\u00a0 Berlin 2011, <\/span>226 Seiten, 16,40 \u20ac<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" id=\"imgBlkFront\" class=\"a-dynamic-image image-stretch-vertical frontImage\" src=\"http:\/\/ecx.images-amazon.com\/images\/I\/51Bn8I7MoGL._SX319_BO1,204,203,200_.jpg\" alt=\"\" width=\"122\" height=\"189\" data-a-dynamic-image=\"{&quot;http:\/\/ecx.images-amazon.com\/images\/I\/51Bn8I7MoGL._SX319_BO1,204,203,200_.jpg&quot;:[321,499],&quot;http:\/\/ecx.images-amazon.com\/images\/I\/51Bn8I7MoGL._SY344_BO1,204,203,200_.jpg&quot;:[223,346]}\" \/><b><\/b><\/p>\n<p><b>Volker Seitz,<\/b> &#8222;Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann&#8220;,\u00a0 219 Seiten, \u20ac 14,90,\u00a0 dtv, M\u00fcnchen 2009<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" id=\"elevateZoom\" class=\"\" title=\"Die Optimierungsfalle\" src=\"http:\/\/media.buch.de\/img-adb\/32373324-00-00\/die_optimierungsfalle.jpg\" alt=\"Die Optimierungsfalle\" width=\"122\" height=\"196\" data-zoom-image=\"http:\/\/media.buch.de\/img-adb\/32373324-00-00\/die_optimierungsfalle.jpg\" data-interchange=\"[http:\/\/media.buch.de\/img-adb\/32373324-00-00\/die_optimierungsfalle.jpg, (retina)]\" \/><b><\/b><\/p>\n<p><b>James Shikwati<\/b>, &#8222;Die Optimierungsfalle. Warum sich Afrika aus der westlichen und asiatischen Entwicklungshilfe befreien muss&#8220;, E-Book, Muhrmann Verlag<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"userCoverThumb\" title=\"zoom\" src=\"http:\/\/www.passagen.at\/cms\/fileadmin\/user_thumbs\/9783851659290.jpg?v=1\" alt=\"\" width=\"141\" height=\"213\" \/><b><\/b><\/p>\n<p><b>Georg Lennkh, Irene Freudenschuss-Reichl<\/b> (Hrsg.),\u00a0 &#8222;<span class=\"userDetailsTitleMain\">Nachbar Afrika. <\/span>Dimensionen eines Kontinents&#8220;, 316 Seiten,\u00a0 \u20ac 40,10, Passagen Verlag, Wien 2010<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach 50 Jahren Entwicklungshilfe wachsen Zweifel und Kritik an deren Effektivit\u00e4t Investitionen statt Almosen Wiener Zeitung, Mai 2012<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/194"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=194"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/194\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2769,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/194\/revisions\/2769"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=194"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=194"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=194"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}