{"id":39,"date":"2021-06-06T15:01:51","date_gmt":"2021-06-06T15:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=39"},"modified":"2026-03-29T10:00:34","modified_gmt":"2026-03-29T10:00:34","slug":"39","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=39","title":{"rendered":"Kandeh Yumkella"},"content":{"rendered":"<p><b>Kandeh Yumkella<\/b>, Generaldirektor der Unido,<br \/>\u00fcber bedenkliche Entwicklungsmythen, gr\u00fcne Chancen durch die Krise, die Zukunft der Globalisierung und sein Leben als UN-Funktion\u00e4r in Wien (link zum Gespr\u00e4ch oben im Namen Kandeh Yumkella)<br \/>https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=39<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01545.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft  wp-image-707\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01545-768x1024.jpg\" alt=\"DSC01545\" width=\"449\" height=\"598\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01545-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01545-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 449px) 100vw, 449px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<hr \/>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2><b>Kandeh Yumkella<\/b><\/h2>\n<p><!--more--><\/p>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4>\u00a0<\/h4>\n<h4><b>&#8222;Ich bin ein unverbesserlicher Optimist&#8220;<\/b><\/h4>\n<h2><b>Kandeh Yumkella<\/b><\/h2>\n<div style=\"float: right;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-54\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/DSC01401.jpg\" alt=\"DSC01401\" width=\"528\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/DSC01401.jpg 800w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/DSC01401-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 528px) 100vw, 528px\" \/>\n<p>\u00a0<\/p>\n<div style=\"text-align: right;\">Photos: Nambou Mounikou<\/div>\n<\/div>\n<p>Kandeh Yumkella, der Generaldirektor der Unido, spricht \u00fcber bedenkliche Entwicklungsmythen, gr\u00fcne Chancen durch die Krise, die Zukunft der Globalisierungund sein Leben als UN-Funktion\u00e4r in Wien.<\/p>\n<p><b><i>Gunther Neumann\/Wiener Zeitung: <\/i><\/b><i>Die Globalisierung scheint derzeit herbe R\u00fcckschl\u00e4ge zu erleiden. Linke Aktivisten und nationalistische, protektionistische Kreise triumphieren, dass neoliberale Finanzm\u00e4rkte, der Freihandel, ja der Kapitalismus gescheitert seien. <\/i><\/p>\n<p><b>Kandeh Yumkella:<\/b> Sch\u00fctten wir nicht das Kind mit dem Bade aus. Ja, wir durchleben eine Finanzkrise. Aber zwei Jahrzehnte Globalisierung haben hunderte Millionen Menschen aus der Armut geholt. Insbesondere die Asiaten haben von technologischen Fortschritten, der Verbesserung ihrer Wettbewerbsf\u00e4higkeit und von freieren M\u00e4rkten profitiert. Wir k\u00f6nnen diese Erfolge nicht in Frage stellen. Gleichzeitig sind Fehler passiert. Das ist menschlich. Manche entwickelte Industriestaaten m\u00fcssen wieder eine gesunde Balance zwischen Finanzm\u00e4rkten und dem Produktionssektor herstellen, der in den letzten Jahren etwas vernachl\u00e4ssigt wurde. Aber gerade Entwicklungsl\u00e4nder brauchen zur Armutsbek\u00e4mpfung Handel und Know-How. Nutzen wir die Krise als Nachdenkpause \u00fcber neue Klimaziele, die Verbreitung sauberer Technologien und f\u00fcr eine gr\u00fcne industrielle Revolution.<\/p>\n<p><i>Wie will die Unido den Herausforderungen bei den angesprochenen Themen Klimawandel, Gr\u00fcne Energie und Technologietransfer begegnen? Wo liegt \u00fcberhaupt der Mehrwert internationaler Organisationen? Immer mehr Menschen scheinen diese skeptisch zu betrachten. <\/i><\/p>\n<p>Wir, und damit meine ich alle Experten im Bereich Entwicklung, m\u00fcssen uns wieder auf ein gesundes Ma\u00df an Bescheidenheit besinnen. Und dabei Dogmen vermeiden. Eine Zeitlang war bei der Definition von Entwicklungszielen jedwede Industriepolitik verp\u00f6nt. Es wurde nur von Grundbed\u00fcrfnisbefriedigung gesprochen. Heute ist die Sicherung ganzer Industrien ein Kernbereich nationaler Politik, nicht nur in den klassischen Industriel\u00e4ndern. In den letzten Jahren war der Begriff Wirtschaftswachstum tabu. Jetzt ist Wachstum pl\u00f6tzlich wieder en vogue. Und die Rolle des Staates wird wieder neu bewertet.<\/p>\n<p>Wir sollten pragmatisch vorgehen. Ideologiefrei betrachtet, haben alle Akteure ihre Rollen: der Privatsektor, NGOs, Staaten und auch multilaterale Institutionen. W\u00e4ren manche offensichtlich globale Themen nicht so schwierig zu verhandeln, dann w\u00fcrden wir zum Beispiel nicht schon so lange \u00fcber Klimawandel debattieren. Wir brauchen einen multilateralen Mechanismus f\u00fcr regulative Standards. Um alle, auch die leiseren Stimmen zu h\u00f6ren, und um zu einem globalen Konsens f\u00fcr schmerzhafte, aber n\u00f6tige Ma\u00dfnahmen zu kommen. Auch, um umweltfreundliche Technologien f\u00fcr m\u00f6glichst viele Menschen verf\u00fcgbar zu machen. 1,6 Milliarden Menschen leben ohne elektrischen Strom, 2,5 Milliarden von weniger als zwei US-Dollar pro Tag. Wie k\u00f6nnen wir diese Milliarden aus der Armut f\u00fchren? Die Unido hilft sowohl dem Privatsektor als auch Entwicklungs- und Reforml\u00e4ndern bei der Strategieentwicklung und der Verbesserung ihrer oft schwachen Verwaltungsstrukturen.<\/p>\n<p><i>Bedeutende L\u00e4nder wie die USA haben der Unido Ineffizienz vorgeworfen und sind deshalb aus ihr ausgetreten. Ihre Organisa- tion musste Budget und Personal drastisch reduzieren. <\/i><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-700\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01466-768x1024.jpg\" alt=\"DSC01466\" width=\"369\" height=\"491\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01466-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01466-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/>Ja, auf weniger als insgesamt 600 Angestellte in Wien und in 30 L\u00e4nderb\u00fcros. Nach einem rigorosen Sparprogramm sind wir heute schlanker und effizienter denn je. Wir konzentrieren uns auf drei Schl\u00fcsselbereiche: Erstens Armutsbek\u00e4mpfung durch produktive Besch\u00e4ftigung, zweitens Bef\u00e4higung zum Handeln lokal und weltweit, drittens Energie und Umwelt.<\/p>\n<p><i>Stichwort schwache Verwaltungsstrukturen: Was sagen Sie den Regierungen von L\u00e4ndern, die sich um Auslandsinvestitionen bem\u00fchen, ohne aber, um es milde zu formulieren, die Kriterien von Transparency International zu erf\u00fcllen? Die also korruptionsanf\u00e4llig sind. <\/i><\/p>\n<p>Korruption gibt es \u00fcberall. Aber die \u00c4rmsten bezahlen den h\u00f6chsten Preis und leiden am meisten unter den Konsequenzen: durch fehlende staatliche Dienstleistungen, mangelnde Gesundheitsversorgung, schlechte Schulen. Ich bin auch zu meinen afrikanischen Kollegen sehr direkt: Wir haben im 21. Jahrhundert die Verpflichtung, auf unserem Kontinent Bedingungen sicherzustellen, die langfristige Investitionen erm\u00f6glichen. Korruption behindert jede Art von Wirtschaft, aber Klein- und Mittelbetriebe sind am schlechtesten ger\u00fcstet, damit umzugehen. Und da diese Betriebe den Wachstumsmotor in Entwicklungsl\u00e4ndern verk\u00f6rpern, sind die Auswirkungen auf die \u00c4rmsten fatal.<\/p>\n<p><i>Afrikanische L\u00e4nder werden noch immer gerne als Opfer von Kolonialismus und Ausbeutung dargestellt, oder als Leidtragende von Naturkatastrophen und B\u00fcrgerkriegen, weit seltener als verantwortliche Akteure. <\/i><\/p>\n<p>Ja. Asiaten planen langfristig, \u00fcber zehn, zwanzig Jahre. Aber auch Afrika hat, was erfolgreiche Reformen bei der Verwaltung und der Korruptionsbek\u00e4mpfung anbelangt, Erfolgsbeispiele, beispielsweise Ghana, Tansania, Uganda. Solche L\u00e4nder sollten belohnt werden. Sie haben Investitionen verdient, etwa in die Infrastruktur, um \u00fcber verbesserte Verkehrsverbindungen auch das Innere des Kontinentes f\u00fcr einen globalen Markt zu \u00f6ffnen. Die internationale Gemeinschaft sollte uns dabei helfen, ebenso ehrgeizige wie nachhaltige Ziele zu entwickeln. Wir waren in Afrika allzu lange mit Feuerwehraktionen besch\u00e4ftigt. Aber gerade im Infrastrukturbereich sind gro\u00dfz\u00fcgige Summen n\u00f6tig.<\/p>\n<p><i>Die allerdings in Krisenzeiten noch schwerer zu bekommen sind. Sie sprechen vom gro\u00dfen Geld, w\u00e4hrend etwa Mohammed Yunus f\u00fcr sein Mikrokreditsystem, das Millionen Menschen, gerade auch Frauen und deren Familien aus der Armutsfalle befreite, den Nobelpreis erhielt. <\/i><\/p>\n<p>Dagegen habe ich nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil. Aber Kleinstunternehmen produzieren lokal. Gehen Sie auf einen afrikanischen Markt. H\u00e4ndler haben ein paar Fr\u00fcchte vor sich liegen, das ist alles, der Rest ist importierte Fertigware. Wir brauchen Vielfalt, Investitionen auch in mittlere Unternehmen mit, sagen wir, 50 Angestellten. Erst diese veredeln Rohprodukte, stellen die notwendige Verbindung zwischen den Kleinstunternehmen und einem gr\u00f6\u00dferen Markt her, sind Ansprechpartner f\u00fcr internationale Unternehmen, f\u00fcr globalen Handel und Technologietransfer.<\/p>\n<p><i>Mohammed Yunus meint, ein Charity-Dollar habe nur ein Leben. In Sozialunternehmen investiertes Geld wird hingegen wiederverwertet: Es habe unendlich viele Leben. Sie gehen noch weiter, Sie sagen &#8222;trade, not aid&#8220; &#8211; also Handel statt Hilfe? <\/i><\/p>\n<p>Nein, wir brauchen beides. Handel, aber auch Hilfe. F\u00fcr Investitionen nicht nur in kleine, sondern auch in mittlere und gr\u00f6\u00dfere Unternehmen; in Telekommunikation, in effiziente Verwaltung, in Verkehrsinfrastruktur, die Wirtschaftswachstum und Handel erst erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><i>Gibt es Unternehmen aus Industriestaaten, die nicht nur kurzfristige Profite anstreben, sondern sich tats\u00e4chlich um globale &#8211; \u00f6kologische wie soziale &#8211; Verantwortung sorgen? <\/i><\/p>\n<p>Wir alle m\u00fcssen unsere Hausaufgaben machen. Unternehmen, indem sie bereit sind, auf Kosten kurzfristiger Profite langfristig zu investieren, aber daf\u00fcr mit dauerhaften Gewinnen. Afrika ist zu lange als Rohmaterialquelle gesehen worden. Rohstoffreichtum ist oft kein Segen, sondern ein Fluch: f\u00fcr die Umwelt, die weiterverarbeitende Wirtschaft, f\u00fcr Regierungen, die Herausforderungen nicht gewachsen waren. Wir Afrikaner m\u00fcssen unsere produktive Konkurrenzf\u00e4higkeit unter Beweis stellen, wie dies Asien erfolgreich getan hat. Und sprechen wir bei Afrika-Entwicklungskonferenzen nicht nur \u00fcber Landwirtschaft. Sprechen wir \u00fcber Agrobusiness. Daf\u00fcr brauchen wir Technologie, Bew\u00e4sserungssysteme, dem Klima angepasstes Saatgut. Und die entsprechend n\u00f6tige Ausbildung der Menschen.<\/p>\n<p><i>Diese Ideen d\u00fcrften bei manchen NGOs, die landwirtschaftliche Selbstversorgung mit traditionellem Saatgut propagieren, auf wenig Gegenliebe sto\u00dfen. <\/i><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01516.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-702\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01516-1024x768.jpg\" alt=\"DSC01516\" width=\"540\" height=\"404\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01516-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01516-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a>Hier ist viel Ideologie im Spiel. Ich nenne es das &#8222;gl\u00fcckliche-Bauer-Syndrom&#8220; &#8211; das bedeutet, dass seine drei Frauen f\u00fcr einen Bauern arbeiten. Der Herr muss sich aber auch am Markt bew\u00e4hren, wie es Asiaten geschafft haben. In Malaysia, Indonesien beziehen nationale Superm\u00e4rkte erfolgreich lokale, weiterverarbeitete, veredelte Produkte. Nicht auf Kosten von Kleinunternehmen, im Gegenteil. Es geht um ein Gleichgewicht.<\/p>\n<p>Alle paar Jahre kommen Entwicklungsexperten mit neuen Ans\u00e4tzen nach Afrika, und alte werden \u00fcber Bord geworfen. In Asien sind die Entwicklungen gradueller. Schauen Sie nach Bangla Desh, wo Yunus mit Mikrofinanzierungen begonnen hat. Gleichzeitig ist das Land einer der weltgr\u00f6\u00dften Textilexporteure geworden. Afrika kann das auch schaffen: Mikrofinanzierung plus Mittelbetriebe plus Big Business. Es geht um eine m\u00f6glichst ausgeglichene, arbeitsteilige Wirtschaft. Afrika fehlt zwischen Kleinstproduzenten und Rohstoffexport im gro\u00dfen Stil vor allem die Mitte &#8211; eine produktive verarbeitende Industrie.<\/p>\n<p>Wir haben zu viel Ideologie, zu viel polemische Debatten. Gentechnologie? Afrikaner sollten die H\u00e4nde davon lassen! Wenn ihr exportiert, werdet ihr verhungern! Warum? Nat\u00fcrlich brauchen wir Wissen \u00fcber Wassermanagement, \u00fcber Nachhaltigkeit. Es geht um eine breitere Entwicklung, um Kreativit\u00e4t, Arbeitspl\u00e4tze, um privatwirtschaftlichen Wohlstand, um Wettbewerbsf\u00e4higkeit, um Wege aus der Armut.<\/p>\n<p><i>Apropos Nachhaltigkeit. Bei der Internationalen Energiekonferenz diese Woche in der Wiener Hofburg wurde viel von den entscheidenden Weichenstellungen f\u00fcr neue Klimaziele nach Kioto gesprochen <\/i><\/p>\n<p>Die Weltklima-Nachfolgekonferenz in Kopenhagen im Dezember naht mit Riesenschritten. Beim Vorbereitungstreffen hier in Wien ging es noch nicht um die politischen Entscheidungen. Experten und Praktiker sprachen aber \u00fcber Kernthemen wie Energieeffizienz, erneuerbare Energie, n\u00f6tige Weichenstellungen und Investitionen. Energiefragen werden die globale Diskussion der n\u00e4chsten f\u00fcnf bis zehn Jahre bestimmen, in den USA, in Europa, im Nahen Osten, und nicht zuletzt in allen Entwicklungsl\u00e4ndern. Wien kann ein virtueller Energie-Drehpunkt werden. Die Internationale Atomenergieagentur, Opec, Unido oder Iiasa haben bereits ihren Sitz in Wien.<\/p>\n<p><i>Sollte daher auch die k\u00fcrzlich gegr\u00fcndete Internationale Agentur f\u00fcr Erneuerbare Energie (Irena) in Wien angesiedelt werden? <\/i><\/p>\n<p><i>(Lacht) <\/i>Das ist eine politische Frage, die von der Staatengemeinschaft zu entscheiden ist, nicht von mir. Aber \u00d6sterreich ist bei erneuerbarer Energie f\u00fchrend, hat Energieeffizienz zu einem Schwerpunkt seiner Entwicklungszusammenarbeit gemacht und k\u00f6nnte zum Knotenpunkt f\u00fcr Expertenaustausch und innovative technologische L\u00f6sungen werden. Wir k\u00f6nnen nicht warten, bis in Afrika ein zentrales Elektrizit\u00e4tsnetz aufgebaut wird, w\u00e4hrend inzwischen die Holzreserven verfeuert werden. Wir brauchen kleinr\u00e4umige Netze, effiziente, nachhaltige, breitere L\u00f6sungen. Etwa Bio-Gas, Kleinwasserkraft und Sonnenenergie statt Generatoren. Ich glaube fest daran und will selbst f\u00fcr mein Heimatdorf eine Solaranlage installieren, an der meine Mutter nicht nur ihr Mobiltelefon aufladen kann.<\/p>\n<p><i> Nun noch ein Themenwechsel. Wie willkommen f\u00fchlt sich ein afrikanischer Spitzendiplomat in Wien beim Anblick mancher Plakate im j\u00fcngsten Europa-Wahlkampf? <\/i><\/p>\n<p>In all den Jahren hier hatte ich nur ein einziges Mal eine unangenehme Begegnung. In jedem Land gibt es ein paar Leute mit extremen Ansichten. \u00d6sterreich ist f\u00fcr seine Dialogf\u00e4higkeit bekannt, und ich f\u00fchle mich hier sehr willkommen. Die Mehrheit der B\u00fcrger, und nicht nur die Regierung, wei\u00df um die Bedeutung Internationaler Organisationen f\u00fcr Wien. Es ist die Verantwortung von uns allen, auch den skeptischen Rest zu \u00fcberzeugen, dass wir in einer globalen Welt leben.<\/p>\n<p><i> Wo sehen Sie die Vereinten Nationen, die UNO in zehn oder f\u00fcnfzehn Jahren? <\/i><\/p>\n<p>Ich bin ein unverbesserlicher Optimist. Mein Vater hat mir in jungen Jahren ein Buch \u00fcber positive Lebenseinstellung geschenkt. Er und das Buch haben mich ebenso gepr\u00e4gt wie meine Erfahrungen. Wenn Menschen die Hoffnung verlieren, werden sie verzweifelt, tun sie b\u00f6se Dinge. Die Krise, aber etwa auch die Klimadebatte zeigen, dass wir uns alle &#8211; Reiche, Arme &#8211; eine Welt teilen. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass wir f\u00fcr Probleml\u00f6sungen zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Ungeachtet aller Krisen wird die UNO der globale Marktplatz f\u00fcr Ideen rund um einen weltweiten &#8222;Green New Deal&#8220; sein, eine Neuverteilung der Karten, Chancen, aber auch Verantwortlichkeiten.<\/p>\n<p><i> Haben Sie eine Vision f\u00fcr die Welt in 20 oder 30 Jahren? <\/i><\/p>\n<p>Meine Hoffnung, mein Traum? Dass meine Enkel in Europa studieren k\u00f6nnten, aber auf eine gute Universit\u00e4t in Afrika gehen wollen. Und dann ebendort in einer erfolgreichen Firma arbeiten. Dass sie frei sind, Gesch\u00e4ftspartner, Freunde rund um die Welt zu haben. Und dass Afrikaner eines Tages als wohlhabende Touristen in Europa willkommen sind, und nicht als verzweifelte Migranten an seine K\u00fcsten gesp\u00fclt werden.<\/p>\n<h5><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-707\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01545-768x1024.jpg\" alt=\"DSC01545\" width=\"461\" height=\"614\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01545-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01545-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 461px) 100vw, 461px\" \/><\/h5>\n<h5>\u00a0<\/h5>\n<h5><strong>Zur Person<\/strong><\/h5>\n<p><strong>Kandeh K. Yumkella<\/strong> wurde 1959 in Sierra Leone geboren. Erfahrungen in mehreren Kontinenten haben ihn gepr\u00e4gt &#8211; und zu einem leidenschaftlichen Verfechter der Globalisierung gemacht, auch in Zeiten der Krise. Aus einem Dorf kommend, wo es bis heute keinen Strom gibt, studierte er Agrarwirtschaft, arbeitete an renommierten US-Universit\u00e4ten, sp\u00e4ter als Entwicklungsexperte in Afrika, war w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkrieges in seinem Heimatland kurz Wirtschaftsminister und wechselte dann zu den Vereinten Nationen. Asiens Entwicklungserfolge der letzten Jahrzehnte haben ihn nachhaltig beeinflusst. Seit Ende 2005 ist er Chef der UN-Organisation f\u00fcr industrielle Entwicklung (UNIDO) sowie u. a. Vorsitzender des UN-Energie Komitees. Er wurde gerade f\u00fcr eine weitere vierj\u00e4hrige Amtszeit best\u00e4tigt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-710\" src=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01606-1024x768.jpg\" alt=\"DSC01606\" width=\"461\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01606-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.gunther-neumann.com\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/DSC01606-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 461px) 100vw, 461px\" \/><\/p>\n<p>Die <strong>Organisation der Vereinten Nationen f\u00fcr Industrielle Entwicklung<\/strong> (<strong>UNIDO<\/strong>) ist seit ihrer Gr\u00fcndung 1966 in Wien ans\u00e4ssig. Sie konzentriert sich heute auf Armutsbek\u00e4mpfung durch m\u00f6glichst umweltschonende Industrialisierung, technische Hilfe, Beratung, Qualit\u00e4ts- bzw. Produktivit\u00e4tsverbesserung und Umweltmanagement. Dar\u00fcber hinaus spielt die Unido bei der Umsetzung des Montreal-Protokolls (\u00fcber ozonschichtsch\u00e4digende Substanzen) und des Kyoto-Protokolls (zum Klimawandel) eine f\u00fchrende Rolle, und ist in die Vorbereitungen zur Klima-Nachfolgekonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 eingebunden. In diesem Rahmen fand auch diese Woche eine internationale Energiekonferenz in der Wiener Hofburg statt, gemeinsam veranstaltet mit der \u00d6sterreichischen Entwicklungszusammenarbeit und dem Institut f\u00fcr Angewandte Systemanalyse (Iiasa).<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Photo: Gunther Neumann<\/p>\n\n<a class=\"wp-block-read-more\" href=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=39\" target=\"_self\">Weiterlesen<\/a>\n\n<a class=\"wp-block-read-more\" href=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=39\" target=\"_self\">Weiterlesen<\/a>\n\n<h1 class=\"wp-block-site-title\"><a href=\"https:\/\/www.gunther-neumann.com\" target=\"_self\" rel=\"home\">Literatur \/ Besprechung \/ Essay<\/a><\/h1>\n\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kandeh Yumkella, Generaldirektor der Unido,\u00fcber bedenkliche Entwicklungsmythen, gr\u00fcne Chancen durch die Krise, die Zukunft der Globalisierung und sein Leben als UN-Funktion\u00e4r in Wien (link zum Gespr\u00e4ch oben im Namen Kandeh Yumkella)https:\/\/www.gunther-neumann.com\/?p=39 &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39"}],"version-history":[{"count":73,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3033,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39\/revisions\/3033"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gunther-neumann.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}